Die Urenkelin des Komponisten Richard Wagner entstaubt die Nürnberg-Handwerksmeister-Sänger-Wettbewerb-Oper.
Bunt geht es zu bei den Meistersingern. Katharina Wagner, die Urenkelin von Richard Wagner, wuchs in der unmittelbaren Umgebung des Bayreuther Festspielhauses auf. In der Festspielzeit spielte sie mit den Kindern der Mitwirkenden, lief mit ihrem Vater bei seinen Kontrollgängen durchs Haus und stand mit ihren Eltern vor dem Portal, um die Premierengäste zu begrüßen.
Viele Inszenierungen hat sie in ihrem 3ojährigen Leben schon gesehen. Bei den letzten beiden “Meistersingern” – inszeniert von ihrem Vater Wolfgang Wagner– assistierte sie. Im vorigen Jahr führte sie in einer eigenen Meistersinger-Produktion selbst Regie. Wie mag ihre Interpretation aussehen?
Katharina Wagner sprüht vor Fantasie.
… fast zu viel Fantasie. Es ist schier unmöglich, all die vielen Details aufzuzählen. Glücklicherweise hat sie in diesem Jahr aufgeräumt und einige überflüssige Handlungsabläufe gestrafft. Vieles ist spannender und übersichtlicher geworden.
Leider, leider, leider ist dem aber auch die Prügelszene zum Opfer gefallen, in der die streitenden Sänger von oben zwar nicht mit Nachttöpfen, aber mit Farbe aus Eimern beschüttet werden. Vielleicht war ja für die Säuberungsaktion die einstündige Pause zu kurz.
Meistersinger – in diesem Jahr mit neuen Sängern.
Alan Titus als Hans Sachs überragt Franz Hawlata (den vorigen Sachs) zwar musikalisch um Längen, von dessen Ausstrahlung ist aber nichts zu ihm übergesprungen. Sein Sachs unterschied sich kaum von den übrigen superkorrekten Meistern, im Gegensatz zu Franz Hawlata, auf den die Figur zugeschnitten war. Alan Titus hingegen ist kein Typ, der barfuß herumläuft mit einer Fluppe im Mundwinkel.
Hier hätte Katharina Wagners Fantasie anspringen und ihm eine vollkommen neue Identität geben können, die einerseits zu seiner Persönlichkeit passt, sich andererseits aber auch von den übrigen Meistersingern absetzt. Vielleicht würde er sich besser fühlen als Dandy wie Oskar Wilde, mit Hut und Schal von Johannes Heesters.
Auf Grund der letzten beiden Punkte kommen die „Meistersinger“ bei mir auf den zweiten Platz meiner Oper-Beliebtheitsskala – nach dem Gold für Rheingold.
Werkstatt Bayreuth:
In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure, so auch Katharina Wagner, die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung weiter zu entwickeln. Wie ändert sich in diesem “Meistersinger” die Inszenierung von 2008 im Laufe der Jahre nach 2010 bis schließlich und endlich 2011?
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Die Meistersinger von Nürnberg | Bayreuther Festspiele |Besetzung 2009
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie: Katharina Wagner
Bühnenbild: Tilo Steffens
Kostüme: Michaela Barth; Tilo Steffens
Chorleitung : Eberhard Friedrich
Licht: Andreas Grüter
Hans Sachs, Schuster Alan Titus
Veit Pogner, Goldschmied Artur Korn
Kunz Vogelgesang, Kürschner Charles Reid
Konrad Nachtigall, Spengler Rainer Zaun
Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber Adrian Eröd
Fritz Kothner, Bäcker Markus Eiche
Balthasar Zorn, Zinngießer Edward Randall
Ulrich Eisslinger, Würzkrämer Timothy Oliver
Augustin Moser, Schneider Florian Hoffmann
Hermann Ortel, Seifensieder Martin Snell
Hans Schwarz, Strumpfwirker Mario Klein
Hans Foltz, Kupferschmied Diógenes Randes
Walther von Stolzing Klaus Florian Vogt
David, Sachsens Lehrbube Norbert Ernst
Eva, Pogners Tochter Michaela Kaune
Magdalene, Evas Amme Carola Guber
Ein Nachtwächter Friedemann Röhlig
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