♫ Fledermaus von Johann Strauss in der Staatsoper Stuttgart

Blick zurück mit gemischten Gefühlen

Die Fledermaus von Johann Strauss, eine spritzige Verwechslungskomödie mit bekannten Zitaten und eingängigen Melodien, löst in einer Neuinszenierung von Philipp Stölzl gemischte Gefühle aus.
Prinz Orlofsky langweilt sich und will von seinem Arzt Dr. Falke Miljenko Turk wissen, ob er ihn heute noch zum Lachen bringen wird. Helene Schneidermann singt und spielt ihre Paraderolle als Prinz Orlowski hervorragend wie in der letzten Inszenierung im Jahre 2000.  In einem Fantasiewald – direkt an der Bühnenrampe – geht er/sie herum wie ein Dompteur. An, auf, hinter jedem Baumstumpf stehen leicht bekleidete Revue-Girls einer Burleske-Show in Wartestellung. Auf den Knall seiner Peitsche begeben sich ein paar frivol aussehende Damen auf einen rotierenden Baumstumpf, vollführen einige aufreizende Bewegungen und verharren bei einem weiteren Peitschenschlag in einer obszönen Stellung. Auf den nächsten Peitschenschlag folgt die nächste Dame oder Gruppe. Dass Prinz Orlowsky darüber nicht lachen kann, ist kein Wunder. Das ist nicht lustig, sondern peinlich. Darüber kann nicht nur Prinz Orlofsky nicht lachen. Darüber freuen sich lediglich alte Männer mit Operngläsern.

Tenor und Adele überkandidelt; Rosalinde und Eisenstein ungezwungen

Tenor Alfred César Gutiérrez singt mit schöner, melodischer Stimme.  Sein szenisches Potential beschränkt sich auf ein unnatürliches, albernes Getue, das sehr stark an Volkstheater erinnert. Ebenso Adele Anna Palimina, die mit ihrem kräftigen Sopran besticht. Leider fällt ihre Schauspielkunst etwas zu pointiert aus.
Rosalinde Simone Schneider hingegen punktet sowohl als Schauspielerin als auch als Sängerin. Ihre Körperbeherrschung verblüfft und ruft Bewunderung hervor, wenn sie im trudelnden Zimmer singt, und immer wieder in die Senkrechte kommt.
Eisenstein Paul Armin Edelmannsingt souverän mit einer melodischen Edelbariton-Stimme, mit der er auch leise singen kann. Auch seine Aussprache ist deutlich zu verstehen, selbst beim Gekraxel durch die Zimmerschlucht. Herrlich, wie er mal über die Stuckdecke am Kronleuchter vorbei läuft, in der Schräge sich am Kachelofen abstützt und immer wieder in der spitzen Ecke aufrecht steht. Echt super!

Der hervorragende Staatsopern-Chor in der Einstudierung von Michael Alber kann in dieser Inszenierung alle Register ziehen – sowohl stimmlich als auch szenisch top!
Das Staatsopernorchester unter der Leitung von Manfred Honeck musiziert sehr temperamentvoll und differenziert – wir hören begeistert zu.

Gemischte Gefühle – Bühnenbild super, Inszenierung weniger

So sehr uns das Bühnenbild von Philipp Stölzl begeistert, so sehr irritiert uns seine Inszenierung. Genauer gesagt, das Vorspiel. Zum einen wäre es schön, sich auf die Musik einzustimmen, statt durch ständige Aktionen auf der Bühne abgelenkt zu werden. Zum anderen sind derartige Opern-Inszenierungen – von/für Männer in den Wechseljahren – für Frauen eine Zumutung. Siehe: >>> Behüt’ uns, Herr, vor Schnee und Wind, und Männern, die in den Wechseljahren sind.

 

Inhalt / Handlung: Die Fledermaus – Oper von Johann Strauss
Fledermaus von Johann Strauss in der Staatsoper Stuttgart
Bühnenbild der Stuttgarter Fledermaus – gutbürgerlicher Salon schlägt Purzelbäume

Die Fledermaus von Johann Strauß in der Staatsoper Stuttgart

Musikalische Leitung Manfred Honeck
Regie Philipp Stölzl
Bühne Philipp Stölzl, Conrad Reinhardt
Kostüme Ursula Kudrna
Co-Regie Mara Kurotschka
Licht Volker von Schwanenflügel
Chor Michael Alber
Dramaturgie Xavier Zuber

BESETZUNG am 28.11.2010
Eisenstein,  Paul Armin Edelmann
Rosalinde,  Simone Schneider
Adele,  Anna Palimina
Prinz Orlofsky,  Helene Schneiderman
Dr. Falke,  Miljenko Turk
Gefängnisdirektor Frank,  Oliver Zwarg
Alfred,  César Gutiérrez
Dr. Blind,  Torsten Hofmann
Frosch,  Josef Ostendorf

Ida,  Cornelia Lanz (Opernstudio)

 

Die Fledermaus:

 

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