♫ Mcgregor / Neumeier / Elo – 3 Choreographien, getanzt vom Stuttgarter Ballett

Yantra – Musik Esa-Pekka Salonen | Fratres – Musik Arvo Pärt | Red in 3. – Musik Peter I. Tschaikowsky am 13. Dezember 2010
Es ist immer schön, eine Inszenierung oder Choreographie noch einmal zu sehen. Was hat sich verändert, wenn das Stück eingespielt ist? Wenn ich mir nachträglich meine Eindrücke vom Sommer – im Schauspielhaus, Musik vom Band – anschaue, erlebe ich einen ganz anderen Eindruck. Neue Interpretationen, je nach meiner Befindlichkeit? Oder eventuell die Befindlichkeit der Tänzer?  

Yantra,Choreographie von Wayne McGregor, Musik von Esa-Pekka Salonen Foreign Bodies

Mit dieser Choreographie kann ich mich immer noch nicht anfreunden.
Sieht alles sehr nach Aufwachen am Morgen aus. Die Herren treten auf in Unterhemd und Unterhose (Kostüme Vicki Mortimer), als müssten sie sich im Badezimmer für den Tag fertig machen. Damen in Pyjamas, wie gerade aus dem Bett gekommen, strecken sich und machen ihre Dehnübungen. Man könnte es schon Über-Dehntheit nennen. Sechs Paare, die selten synchron tanzen. Sie tanzen nebeneinander her, manchmal auch gegeneinander.
Alles unter einem Riesenpendel, das sich mal schneller, mal langsamer bewegt.
Tänzer am 13.12.2010 : Alicia Amatrian, Elisa Badenes, Daniel Camargo, Oihane Herrero, Alexander Jones, Evan McKie, Ami Morita, Anna Osadcenko, Marijn Rademaker, Jason Reilly, Myriam Simon, Alexander Zaitsev

Fratres, Choreographie von John Neumeier, Musik von Arvo Pärt Fratres I und II, Solo-Violine Wolf Dieter Streicher

In diesem Stück hat John Neumeier den Tod seiner Eltern verarbeitet. Ein langsames, elegisches Stück, bestimmt durch die Trauermusik von Arvo Pärt.
Die Brüder halten zusammen. Sie bilden einen runden Klumpen; sie bilden eine Phalanx, indem sie ihre Arme waagerecht umeinanderwickeln; sie bilden ein Geflecht, wenn sie die Arme in Windmühlenhaltung stellen und die Hände im rechten Winkel dazu abstehen lassen.
Starke Bilder.
Am Schluss stirbt die Mutter und die Gemeinschaft der Brüder löst sich auf. Erst laufen sie im großen Kreis auf der Bühne herum, dann rennen sie weiter hinten von einer Seite auf die andere, dann gegenläufig, ohne sich zu sehen und ohne gegenseitig Kontakt aufzunehmen. Traurig.
Tänzer am 13.12.2010: Sue Jin Kang, Filip Barankiewicz, Jason Reilly, Friedemann Vogel, Marjin Rademaker

Red in 3., Choreographie Jorma Elo, Musik Peter I. Tschaikowsky Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 35, Solo-Violine Wolf Dieter Streicher

Klassisch, fast klassisch lässt Choreograph Jorma Elo  die Tänzer über die Bühne schweben, mit einer beredten Körpersprache von den Beinen bis hin zu den die Fingerspitzen. Gerade hier fällt auf, wie wichtig ein richtiges Orchester mit einem natürlichen Klang ist. Hier kommt die Musik aus dem Orchestergraben und nicht von irgendeinem Lautsprecher.
Bei den schön und virtuos gespielten Geigensoli (Wolf Dieter Streicher) treten die Tänzer solistisch auf, unterstreichen die Harmonie von Musik und Tanz – elegante Bewegungen wandeln sich zu lebenden Bildern.
Das Sich-über-die-Klassik-lustig-machen, diese wunderschöne, lustige Mimik und Gestik, ist ganz aus der Aufführung verschwunden, zumindest an diesem Abend. Schaaade – das gab dem Ballettabend einen besonderen Pfifff.
Tänzer am 13.12.2010: Miriam Kacerova, Alexander Jones, Myriam Simon, Evan McKie, Magdalena Dziegielewska, Alexander Zaitsev, Anna Osadcenko, Arman Zazyan, Laura O´Malley, William Moore
Jelena Bushuyeva, Mariya Batman, Alessandra Tognoloni, Elisa Badenes, Daniel Camargo, Doruk Demirdirek, Roland Havlica, Lee Fennell

Einführung und Programmheft

Wenn die Zuschauer etwas im Programmheft über die neuen Choreographien erfahren wollen, werden sie enttäuscht. Sie erfahren zwar alles Mögliche über die beteiligten Künstler – ganze Kurzbiographien enthält das Programmheft. Darin erfahren die interessierten Leser, wann die Komponisten, Choreographen, Assistenten, Kostümbildner, Lichtdesigner geboren sind, in welchen Häusern und mit wem zusammen sie schon gearbeitet haben und auch, wo sie in Zukunft arbeiten werden. Wie gut, dass eine Einführung angeboten wird, in der das Publikum etwas über die jeweiligen Stücke und Choreographien erfährt.

Stuttgarter Ballett:

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