✍ Comic-Tipp: Wagner – Komponist, Revoluzzer, Frauenversteher

Auf dem Titelblatt des Comics schaut Wagner mit glühenden Augen in eine imaginäre Zukunft, eine Partitur fest an die Brust gepresst. Im Hintergrund Figuren aus Wagners Sagenwelt, die Fantasy-Gestalten ähneln. Jungen Lesern verheißt dieser Comic Abenteuer, romantische Liebesaffären, Schlösser mit jungen Prinzen – Richard Wagners Leben, sympathisch rübergebracht.

Erzählt wird die Biografie aus der Sicht des jungen Hans von Bülow, der sich als 12-Jähriger von der Musik berauschen lässt, dessen Berufswahl zum Dirigenten beeinflusst und der noch zu ihm hält, nachdem Wagner ihm seine Frau Cosima ausgespannt hat.

Dramatisch und spannend beginnt der Comic mit der Dresdner Revolution, bei der Wagner fleißig mitmischt und flieht, weil er steckbrieflich gesucht wird. Auch in Zukunft ist er ständig auf der Flucht, meist vor seinen Gläubigern. Sein finanzielles Desaster schreibt er allen zu, die ihn nicht fördern wollen. Ein Teil davon sind Juden, die traditionell musisch und kulturell das Sagen haben. Seine Judenfeindlichkeit ist eher persönlicher Natur, passt aber gut in die Zeit.

Wagner ist geschickt in seinem Umgang mit Gönnern. Überall kitzelt er hohe Beträge heraus von reichen Schöngeistern, die sich damit rühmen können, Förderer des großen Komponisten zu sein. Auf sein Äußeres und sein Wohnambiente mit einem Hang zu edlen und teuren Stoffen wie Samt und Seide legt Wagner großen Wert. Er versteht es, sich einladen zu lassen. Zwar in einem kleineren Anwesen, aber doch herrschaftlich wohnt er in der Nähe des reichen Wesendonck. Wagner verführt dessen Frau Mathilde, woraufhin sich Wagners Ehefrau Minna nach 22 Jahren Ehe scheiden lässt. Als Ablösesumme für Mathilde und den unterdrückten Skandal, der ihm weit mehr geschadet hätte als eine untreue Ehefrau, schiebt Wesendonck ihn auf seine Kosten nach Venedig ab.

Auf (verheiratete) Frauen übt Wagner eine ungeheure Anziehungskraft aus, obwohl das aus heutiger Sicht unverständlich scheint. Wagner entspricht weder dem damaligen noch dem heutigen Schönheitsideal. Hier hilft Flavia Scuderi mit ihren geschönten und geglätteten Zeichnungen nach.

Hans von Bülow sucht den Kontakt zu Wagner, dessen Musik er einstudiert und zur Uraufführung bringt. Er lädt den mittellosen Wagner zu sich nach Berlin ein, wo er als Hofkapellmeister in soliden Verhältnissen lebt. Während er Wagners Opern probt, spannt Wagner ihm seine Frau Cosima aus.

Wieder muss Wagner – schon fast 60 – vor den Gläubigen fliehen. Da passiert etwas, wie es nur in der Oper vorkommen kann. König Ludwig II von Bayern schwärmt für Wagners Musik. Großzügig öffnet er ihm sein Herz und damit seine Schatulle, was Wagner ausreichend zu nutzen versteht. Dank Ludwigs finanzieller Hilfe wird das Festspielhaus in Bayreuth auf dem grünen Hügel errichtet und natürlich auch eine standesgemäße Unterkunft im Hofgarten des Schlosses, die Villa Wahnfried.

Geld erhält er von Ludwig II, Liebe und Unterstützung im Alltag von Cosima, seine Werke führt der geniale Hans von Bülow auf. Wie Wagner es schafft, die besten Musiker seiner Zeit in ihren Orchesterferien – bis auf den heutigen Tag – nach Bayreuth zu bekommen, bleibt sein Geheimnis. Cosima gelingt es, diesen Kult aufrecht zu erhalten. Bis zum heutigen Tag lenkt die Familie Wagner die Geschicke des Festspielhauses – mit Hilfe von Freunden, Gönnern, Sponsoren, Politikern.

 

Andreas Völlinger erzählt Wagners Leben vollständig, wenn auch mit Gewichtung auf sein abenteuerliches Leben. Die Musik kommt nur am Rande vor. Stark sind die Bilder von Flavia Scuderi, wo sie die Atmosphäre der Zeit wiedergeben – die Häuser, in denen Wagner gewohnt und gewirkt hat, die Kleidermode, Interieurs der Villa Wesendonck u.a.
Dieser Comic verschafft Jugendlichen mit einer spannend erzählten Lebensgeschichte einen Überblick über den Werdegang des Komponisten und lädt vielleicht in ein paar Jahren dazu ein, sich näher mit Wagner, speziell mit seiner Musik zu beschäftigen.

Wagner: Die Graphic Novel von Andreas Völlinger (Autor), Flavia Scuderi (Zeichner) |EUR 19,95 | Knesebeck (2013) | ISBN-10: 3868735887

 

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