Buchtipp: Flora – 3000 Jahre Pflanzen in der Kunst

Pro Doppelseite stehen sich Pflanzenbilder aus verschiedenen Zeiten, Kulturkreisen, Materialien gegenüber. Sie passen entweder zusammen oder zeigen Gegensätze an.
Seit es Menschen gibt, die Pflanzen nutzen, veranschaulichen sie es in Abbildungen – seit 3000 Jahren. Die Art der Darstellung wandelt sich ebenso wie das Verhältnis zu Pflanzen. Ob sie als Lebensmittel, Heilmittel, Rauschmittel, oder wegen ihrer Schönheit verehrt werden.

Durchsichtige Blumen – durch Röntgenaufnahmen – mit Hilfe von Glas.

Beide Darstellungen stammen aus der Zeit des späten 19 Jahrhunderts.
Eine Röntgenaufnahme zeigt Chrysanthemenblüten. Das heißt, von den Blütenblättern sind lediglich die Konturen zu sehen, ansonsten sind sie schemenhaft als Schatten dargestellt. Deutlich zu erkennen sind dagegen die dickeren Mittelschichten sowie Stängel, Blütenboden, Stempel und Staubgefäße. Wie mit der Feder gezeichnet sehen die Umrisse aus. Wenn man bedenkt, dass die Bestrahlungsdauer ungefähr 90 Minuten gedauert hat, waren Pflanzen als Fotomodelle, die nicht weglaufen können, genau das Richtige zum Experimentieren.

Als wahre Künstler beweisen sich die böhmischen Glaskünstler Leopold und Rudolf Blaschka. Sie fertigen lebensechte Glasmodelle von Pflanzen. Haargenau passen die Formen, also Blütenblätter, Stempel, Stängel mit der Natur zusammen. Aber nicht nur die Konturen, sondern auch die Farbabstufungen stimmen mit den Blättern, Stängeln, Blüten überein.
4400 lebensechte Glasblumen schufen die beiden Künstler. Das ist nicht nur Kunst, sondern unvergleichliches handwerkliches Können. Universitäten nutzten die Glasblumen als Unterrichtsmodelle, weil sie sich wegen ihrer Transparenz besser eignen als Zeichnungen oder getrocknete Pflanzen. Die Studenten sehen durch die geschlossene Blüte, wo sich die Blütenblätter überlappen, wo die Stängel ansetzen, wie die Stempel aussehen. Diese filigranen Blumen befinden sich bis heute noch in der Harvard Universität in Cambridge Massachusetts.

Querschnitt einer (unscheinbaren) Blume.

Zwei Blumen im Querschnitt stehen sich gegenüber. Ein Bild entstammt von 1905, das andere im Jahre 2007 hergestellt.

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Attraktiv sieht die Blume des braunen Storchenschnabels aus. Die Blüte trägt auf diesem Bild ein dunkles Purpur bis Violett. In der Natur ist diese Blüte so groß wie ein Fingernagel. Im Aquarell allerdings ist sie 30 cm groß, also so wie das Querformat einer DIN A4 Seite.

Elegant schwingen die Blütenblätter nach außen. Aus der Mitte heraus kommen die Stängel der Staubgefäße. Mit anmutigen Bögen, die in dieser Pflanze Staubfäden, Staubbeutel und Stempel beschreiben, zeigt sich die Grandezza dieser kleinen Blüte. Der braune Storchenschnabel wächst normalerweise am Waldrand und wird kaum beachtet.

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Ebenfalls einen Schnitt durch die Fortpflanzungsorgane, jedoch des Acker-Vergissmeinnichts, stellt eine Abbildung aus dem Jahre 2007 dar. Es zeigt die Vergrößerung einer Mikroskopaufnahme. Ungefähr so groß wie ein Stecknadelkopf ist Ausschnitt der Aufnahme in der Natur. Wehrhaft sieht die grüne Hülle um das Blütenblatt aus. Spreizt sie doch nach außen viele kleine Tentakel, die eher an Meerestiere erinnern. In dem hellblauen Blütenblatt steht der Stempel. Seine Umgebung sieht aus wie ein Schwamm oder eine Koralle.
Gemeinsam zeigen beide Abbildungen Dinge, die man mit dem bloßen Auge nicht sieht.

Farne haben es vielen Künstlern angetan.

In den Anfangszeiten der Fotografie bestimmen klare Formen das Bild in schwarz-weiß, mit einem detailgenauen Schwung. Dabei ist es lediglich die Spitze eines Farnblattes, das sich oben zu einer Schnecke wellt. Blattspitzen ziehen sich mit einer Rundung nach innen. Für den Fotografen Karl Blossfeldt war es eine Vorstudie zu seiner Arbeit als Metallbildner. Seine geschmiedeten Blätter rollten sich mit dem natürlichen Schwung der Farnwedel auf. Zu seiner Zeit waren künstlerisch gestaltete Zäune sehr begehrt.

Im Jahre 2004 malt Stephanie Berni fotografisch genau einen eingerollten Farn.
Sie malt diese winzige Spitze – in der Realität vielleicht gerade so groß wie ein 10-Cent-Stück – auf Postergröße. In dem Kreis drängen sich Miniwedel mit Rundungen, die aussehen wie eine aufgeschnittene Zitrusfrucht. Die vielen mikroskopisch erkennbaren Härchen an der Haut werden naturgetreu wiedergegeben. Insgesamt wirkt dieser Rundling wie ein keltisches Ornament. Ziel ist es, die Schönheit der winzigen grün-braunen Farne zu zeigen. Es ist schön zu sehen, wie viel Details in so einem kleinformatigen Pflanzenteil stecken.

Schon immer wurden Pflanzen zur Heilung genutzt.

Für die Mediziner war und ist es wichtig, genau die richtigen Pflanzen zu finden. Eine der ältesten überlieferten Bilddarstellungen für Mediziner ist ein mittelalterliches, islamisches Rezeptbuch. Es dient zur Herstellung von Arzneimitteln. Dieses Dokument stammt aus dem Jahre 1199 und wurde in Irak verfasst. Es stellt sechs unterschiedliche Pflanzen dar. Daneben stehen die Pflanzennamen geschrieben. Ebenso steht etwas über die Krankheiten, bei denen diese Pflanzen helfen sollen.

Ebenfalls für Mediziner gedacht ist eine Schautafel mit Giftpflanzen, die in der Natur vorkommen. Gezeichnet sind hauptsächlich Giftpilze, aber auch Pflanzen, wie die Herbstzeitlose oder der Eisenhut, der ja immer noch als giftigste Pflanze unserer Heimat gilt. Zwischen den naturgetreuen Abbildungen stehen Informationen über Gegengifte, sowie Heilungschancen bei Vergiftungen.
Giftige Inhaltsstoffe, die in einer großen Menge genommen schädlich sind, können in winzigen Mengen dagegen als Heilmittel wirken.

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