♫ Erfurt Domstufen-Festspiele: Carmen – Autofriedhof auf der Domtreppe

Oper von George Bizet mit pittoreskem Bühnenbild

Schrottautos kauern übereinander gestapelt auf der Domtreppe. Von der Tribüne sehen sie aus wie heruntergefallene Spielzeugautos, die malerisch eins über dem anderen nach oben wallen.

Am Fuße der Stufen breitet sich ein Lager mit verschiedenen Campingwagen aus. In den ärmlich gekleideten Menschen erkennen wir die Sinti und Roma der heutigen Zeit wieder. Für das Publikum dürfte es genauso exotisch sein wie die Zigeuner der früheren Inszenierungen.

Carmen ragt heraus durch ihre Größe, Breite und Bühnenpräsenz.

Carmen (Katja Bildt) gehört zu den unabhängigen Frauen, die sich nichts sagen lassen. Das macht sie gleich am Anfang mit ihrer Habanera klar, siehe ♫ Inhalt / Handlung: Carmen – Oper von Georges Bizet
Escamillo (Siyabulela Ntlale) tritt nicht als Torero auf, der den Stier mit Pfeilen traktiert, bis er blutet. Vielmehr kreuzt er auf als Wrestler. Das ist eine ebenfalls unappetitliche Sportart, die jedoch eine robuste Personengruppe voll begeistert. In Siegespose kommt er auf der Ladefläche eines Pick-ups hinein gefahren. Begleitet wird er von jungen Damen, die alle zum Tross gehören. Er zählt zu den siegessicheren, sich überschätzenden Männern, denen die Frauen zu Füßen liegen. Nur Carmen hat keine Augen für ihn.

Carmen entkommt am Steuer eines Polizeiautos

Noch ist das Zigeunerlager von einem Graffitti-Bauzaun verdeckt. Als Carmen Remmidemmi macht, fliegen hinter dem Bauzaun Gegenstände durch die Luft. Zusammen mit der aufwühlenden Musik merkt man, dass jemand richtig wütend sein muss. Der Chor vor dem Bauzaun tut kund, dass es nur Carmen sein kann, die schon wieder Streit anfängt. Sämtliche Soldaten rennen nach oben zum Zaun – Neugierde, dein Name sei Mann! – und schauen durch die Lücken. Sie holen Carmen heraus und legen ihr Handschellen an, die sie in kürzester Zeit durch einen Trick ablegt und weitergibt. Knall auf Fall stehen die beiden Soldaten – Don José (Won Whi Choi) und sein Vorgesetzter – zusammengekettet da. Bevor die beiden ihre Verdutztheit überstehen, läuft Carmen zum Polizeiauto, setzt sich ans Steuer und braust fröhlich winkend davon. Super.

Oben Kampfarena – unten Eifersuchtsmord zwischen Angeberautos.

Der letzte Akt spielt auf zwei Ebenen. Oben auf der Bühne ist ein Käfig aufgebaut, in dem der Kampf von zwei Wrestlern stattfindet, einer davon ist Escamillo.
Junge Frauen in Miniröcken mit aufreizenden Make-up und ebenso aufreizenden Frisuren kommen in Geländewagen auf die Bühne gesaust. Mit Schwung brettern sie einige Stufen auf die Domtreppe hinauf. Als Fans bilden sie die Zuschauer um die Kampfarena.
Das Ringen erinnert an die Gladiatorenkämpfe in der Antike. Schmutzige Tricks sind gewollt und erwünscht. In den Schwitzkasten nehmen, ein Bein stellen, am Hals packen und durch den Ring schleifen. Da kommt Jubel auf, wenn auch ohne Geräusch.

Weiter unten an den Autos treffen sich Don José und Carmen zu ihrem letzten entscheidenden Gespräch, das mit Carmens Tod endet. Im Vordergrund singen Don José und Carmen ihre Abschiedsarie, eine Etage höher wird Escamillo zur selben Zeit in einem Kampf voller Niederlagen vom gegnerischen Wrestler besiegt. Don José ersticht Carmen. So weit, so bekannt. In dieser Inszenierung passiert es gleichzeitig mit Escamillos K.O.-Niederlage. Er liegt da wie tot, während sich sein Gegner feiern lässt. Das passt!
Im Original siegt der Torero, schmettert sein Gigololied, das Volk jubelt ihm zu, Carmen freut sich sichtlich. Don José kompensiert seine Niederlage mit dem Mord an Carmen.

Humorvoll und gefühlsbetont mit Theaterdonner

Die Inszenierung wirkt aktuell durch Bühnenbild und Kostüme und sprüht vor Lebensfreude, sofern man das bei dem tödlichen Ausgang sagen darf. Wer eine politische oder sozialkritische Inszenierung erwartet oder befürchtet hat, wird enttäuscht oder angenehm überrascht sein. Humoristische Szenen, gefühlvolle Elemente, Theaterdonner wechseln sich ab wie die roten und weißen Streifen eines durchwachsenen Schinkens.
Es geht ans Herz und an die Tränendrüsen, wenn Carmen und Escamillo gleichzeitig sterben. Don José ist in seinem Leid der König der (Frauen)Herzen. Mit viel Theaterdonner knallt das Feuerwerk, wenn die Banditen feiern und sich auf den Wrestlerkampf freuen. Geländewagen klettern die Domtreppen empor. Action pur.

Carmen ist in jeder Richtung so unterhaltsam, wie man sich einen Opernabend wünscht!

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DomStufen-Festspiele in Erfurt 2018
Carmen, Oper von Georges Bizet
Text von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
In französischer Sprache mit Untertiteln

Musikalische Leitung Myron Michailidis
Inszenierung Guy Montavon
Ausstattung Hank Irwin Kittel


Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:

Erfurt-Tourismus
BUGA 21 
egapark Erfurt
DomStufen-Festspiele

Die Eindrücke  formten sich im Rahmen der Pressereise unter dem Motto „Erfurt auf dem Weg zur BUGA 2021“.

Herzlichen Dank für die fachkundigen Rundgänge und die hervorragende Organisation.


 

Carmen: