DomStufen-Festspiele in Erfurt 2017: Der Troubadour – Feuer, Feuer Feuer

Hauptprobe „Der Troubadour“ von Giuseppe Verdi bei den Domfestspielen in Erfurt – inklusive Fingerfood, Begrüßung, Einführung und Blick hinter die Kulissen.

Zwei Freikarten für die kürzeste Inhaltsangabe.

Guy Montavon, der Intendant der Opernfestspiele, soll den Erfurtern ein Angebot gemacht haben: Wer diese verrückte Opernhandlung in ein paar kurzen Sätzen widergeben kann, bekommt zwei Freikarten. Bis jetzt hat sich noch keiner gemeldet.
Eine berechtigte Chance erwirbt der Chefdramaturg Dr. Arne Langer bei seiner Einführung: „Der Sopran und der Tenor lieben sich und werden in der italienischen Oper traditionell ein Paar. Der Bariton ist der Bösewicht, der den Sopran mit unlauteren Mitteln für sich erobern will. Der Mezzosopran sorgt als Rächer ebenfalls für Unruhe. Am Schluss bringt der Bariton den Tenor um. Der Sopran vergiftet sich und der Mezzo verkündet dem Bariton, dass er gerade seinen lange gesuchten Bruder getötet hat.“
Na bitte – geht doch.

Technischer Direktor Stark führt hinter die Kulissen.

Dessen Gemäuer bestehen aus Styropor, die tragenden Pfeiler aus Beton. Diese müssen akkurat mit ihrem Gewicht auf bestimmten Stellen stehen, wie es die Domstufen in ihrer Statik aushalten. Bespielt werden in dieser Operninszenierung nicht die Domstufen, sondern eine davor gebaute Freilichtbühne. Diese Plattform ist von allen Plätzen sehr gut zu sehen, denn sie steht auf Stelzen.
Direkt unter der Bühne befinden sich die Orchester-Container. Mehrere dieser genormten Großbehälter ergeben zusammengesetzt einen Orchestergraben, der allerdings nicht nach oben offen ist, um die Musik zu  Sängern und  Publikum zu tragen. Er ist im Gegenteil hermetisch abgeriegelt. Für die Musiker und ihren Dirigenten Samuel Bächli bedeutet das den Mehrwert einer Sauna pro Vorstellung.

 

Aber wie kommt die Musik zu Sängern und Publikum?

An jedem Notenpult ist ein Mikrofon installiert. Ebenso tragen die Sänger kleine Mikrofone am Kopf. Die Stimmen werden mit dem Orchesterklang gemischt und vom Tonmeister zu den Lautsprechern übertragen. Für Operngänger ist das gewöhnungsbedürftig, weil sie die Solisten nicht sofort zwischen Chor und Statisten orten können. An dieser Stelle mein Kompliment an den Tonmeister und die Anlage. Der Gesang ist ausgezeichnet in den Orchesterklang eingebettet – hervorragende Klänge ohne Geschepper oder Echo.
Der legendäre italienische Startenor Caruso soll vom Troubadour gesagt haben: „Man kann die Oper in jedem Theater aufführen. Man benötigt lediglich vier Weltklasse-Sänger.“

In dieser Inszenierung können sich die Sänger hören lassen.

Allen voran Ekatarina Godovanets als Leonore. Ihr starker Sopran hebt sie hervor als die Hauptperson, um die zwei Männer kämpfen. In einem glitzernden Kleid – das gut zu Madame Butterfly gepasst hätte – ist sie an jeder Stelle mühelos als Schlüsselfigur auszumachen. Der Bariton Todd Thomas trägt silberne Kleidung, die ihn als Adligen zu erkennen gibt, aber doch nicht ganz so kostbar erscheint wie Leonora. Mit voller Stimme beherrscht er die Szene.
Agnieszka Rehlis spiegelt das Leid der Zigeunerin wider. Die angenehm dunkle Lage ihrer Stimme kennzeichnet sie nicht als Hexe, sondern als besorgte Pflegemutter des Troubadours sowie Trauernde um den Feuertod ihres Sohnes und ihrer Mutter.
Seine Troubadour-Stimme färbt der Tenor Thomas Paul vom Verliebten zum Betrogenen. So wühlt er sich durch die Missverständnisse, die seine Pflegemutter und der Graf in die Welt streuen.

Dicht an der Rampe – in diesem Fall ein Geländer – singen die Solisten.

Chor und weiteres Bühnenpersonal sorgen dafür, dass es in der Inszenierung von Jürgen R. Weber nicht langweilig zugeht. Hank Irwin Kittel schuf Bühnenbild und Kostüme, die vom mittelalterlichen spanischen Soldaten bis zu japanischen Comicfiguren reichen.
Gekämpft wird viel. In der Schlacht fliegen die Purzelbäume. Jede Menge Waffen, brennende Pfeile, lodernde Fackeln – mit Sicherheitsverschluss, wie Techniker Stark beteuert – und Feuer Feuer Feuer. Es lodert auf der Brücke, der Dom steht in virtuellen Flammen, Feuerpfeile werden abgeschossen.

Mit anderen Worten → ein effektvolles Spektakel, dass mit zunehmender Dunkelheit wirkt.

Um 23 Uhr muss allerdings Schluss sein, denn dann herrscht in Erfurt absolute Nachtruhe.
Das gilt auch für den Applaus!

 

Giuseppe Verdi: