♫ Meistersinger in Bayreuth 2010 – was ist neu?

In der Inszenierung hat Katharina Wagner wieder einmal den Hans Sachs ausgetauscht, andere Akzente gesetzt, einige Szenen gekürzt, die Prügelszene immer sparsamer gestaltet.

Gleich geblieben sind die hervorragende Leistung des Festspielorchesters unter der Leitung von Sebastian Weigle und des Festspielchors unter der Leitung von Eberhard Friedrich.

Der neue Hans Sachs – James Rutherford mit angenehmer Stimme –  ist von Kopf bis zu den nackten Füßen auf Anti-Meister eingestellt. Er zeigt deutlich, dass er mit den eingefahrenen Regeln nichts gemein hat.

Dieser Sachs wirkt eher wie ein ungezogenes Kind als wie ein in sich Ruhender, der über den Dingen steht. Franz Havlata im ersten Jahr verkörperte genau den Typ des Über-den-Dingen-Stehenden, der sich nicht um Konventionen schert, weil er sie für unnötig hält.
Stolzing (Klaus Florian Vogt mit gleichbleibend wohltönenden Tenor) hat gegenüber den vorigen Jahren viel von seiner Leichtigkeit eingebüßt. Jetzt ist er deutlich gealtert, trägt Rasta-Locken, wirkt aggressiv. Wo ist der unbekümmerte Künstler geblieben, der alles, was ihm unter den Pinsel kam – Wände, Klavier, Evchen – mit Graffitis verschönerte?

Adrian Eröd lässt als Beckmesser seinem komödiantischen Talent, gepaart mit wohltönender  Stimme, freien Lauf. Seine zwanghaften Reclam-Hefte-Stapeleien, die Hans Sachs mit einem Fußtritt zum Aufwirbeln bringt, sind zum Piepen.
So richtig begehrenswert ist keiner der drei Herren – armes Evchen.

Während Sachs langsam bürgerlich wird, sich ein weißes Hemd anzieht und schwarze Schuhe, macht Beckmesser einen Trip in die Anarchie. Er verkleidet einen Bücherturm mit seinen Hemd, Hut und Schuhen. Stolzing (Klaus Florian Vogt) hat sich ebenfalls die Hörner abgestoßen. Seine Rastalocken sind einem blonden halblangen Lockenkopf gewichen.

Enttäuscht vermisse ich die  gefühlte  Zehnmeterschärpe in der Szene, in der Evchen (Michaela Kaune) Hans Sachs zu Rate zieht, weil sie sich über ihre Gefühle zu Stolzing nicht im Klaren ist. In dieses blaue Band rollte Eva sich und Hans Sachs ein, jeder an einem anderen Ende. Eva sieht Sachs   nicht als Mann, wie er es gern hätte, sondern eher als Onkel.  Sobald die Musik es erlaubte, kamen sie sich näher. Ebenso stießen sie sich ab, wenn einer auf Distanz ging.

Die Festwiese, auf der der Sängerwettstreit stattfindet, gleicht einem Fernsehstudio, in dem gerade eine Show aufgezeichnet wird. Erst ist Beckmesser dran, der sich mit Dehn- und Streckübungen auflockert. Ein sehr komödiantischer Adrian Eröd formt Adam aus einem Sandberg. Eva holt er sich aus dem Publikum.
Stolzing dagegen besingt in seinem Lied die Liebe, während dessen eine Prinzessin mit Seidengarderobe und glitzerndem Schmuck auf ihren Prinzen wartet. Am Ende des Liedes haben sie sich gefunden. Gaaanz so kitschig mit aufblasbarem Palmen und Gummi-Nilpferd war es diesmal nicht – es war trotzdem noch kitschig genug. Damit ist Stolzing also voll im Publikumswirksamen angekommen.
Was soll uns das sagen???

Die Meistersinger von NürnbergBayreuther Festspiele 2010

Musikalische Leitung – Sebastian Weigle
Regie – Katharina Wagner
Bühnenbild – Tilo Steffens
Kostüme – Michaela Barth , Tilo Steffens
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Licht – Andreas Grüter

[aartikel]B001M0VNMQ:left[/aartikel] Besetzung 2010

Hans Sachs, Schuster – James Rutherford
Veit Pogner, Goldschmied – Artur Korn
Kunz Vogelgesang, Kürschner – Charles Reid
Konrad Nachtigal, Spengler – Rainer Zaun
Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber – Adrian Eröd
Fritz Kothner, Bäcker – Markus Eiche
Balthasar Zorn, Zinngießer – Edward Randall
Ulrich Eisslinger, Würzkrämer – Florian Hoffmann
Augustin Moser, Schneider – Stefan Heibach
Hermann Ortel, Seifensieder – Martin Snell
Hans Schwarz, Strumpfwirker – Mario Klein
Hans Foltz, Kupferschmied – Diógenes Randes
Walther von Stolzing – Klaus Florian Vogt
David, Sachsens Lehrbube – Norbert Ernst
Eva, Pogners Tochter – Michaela Kaune
Magdalene, Evas Amme – Carola Guber
Ein Nachtwächter – Friedemann Röhlig

 

Inhalt / Handlung: Die Meistersinger von Nürnberg – Oper von Richard Wagner
Meistersinger in Bayreuth 2009 – „Jung“ dank Katharina Wagners sprühender Fantasie
Meistersinger in Bayreuth 2010 – was ist neu?
Meistersinger in Bayreuth 2011 – was ist neu?

 

Werkstatt Bayreuth:

In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure, so auch Katharina Wagner, die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung weiter zu entwickeln. Wie ändert sich in diesem “Meistersinger” die Inszenierung von 2008 im Laufe der Jahre nach 2010 bis schließlich und endlich 2011?

 

 

8ung Werbung!
Was empfehlen Sie den Freunden der Bayreuther Festspiele?
Diesen Platz halten wir frei für Ihre Offerte

 

Die Meistersinger von Nürnberg:
[aartikel]B0096U44AW:left[/aartikel] [aartikel]B008ZGWG94:left[/aartikel] [aartikel]B008NURB3I:left[/aartikel]

No items, feed is empty.