Buchtipp: Der Heilige Eddy – Roman von Jakob Arjouni

Eddy, der Meister aller Gentleman-Betrüger, kommt mit seinen Tricks sorgenfrei durchs Leben. Aber welchen Trick muss er anwenden, um eine Leiche verschwinden zu lassen?
Unter all den Gentleman-Betrügern gebührt Eddy die Bezeichnung eines Meisters. Er gehört einer Berufsgruppe an, die bestimmte ethische Grundsätze verfolgt. Eddy wendet grundsätzlich keine Gewalt an. Alles Psychologie.  Selbst für seinen Bananentrick trifft er lange Vorbereitungen, bevor er sich seinen zukünftigen Mandanten aussucht. Er zieht sich neutral bis gut situiert an. Wichtig ist, dass darauf, oder darunter, ein Mantel passt. Dann späht er – manchmal dauert es mehrere Stunden – seinen späteren Kunden auf dem Bahnhof aus. Er muss seine Größe haben, gerade in Berlin angekommen und nicht Großstadterfahren sein – ein gutgläubiges Landei eben. Aber vor allen Dingen muss er Bargeld bei sich tragen. Hat er diesen erspäht, wirft er seine mitgebrachte Bananenschale aus. Mit einer exakt einstudierten Choreographie landet Eddy genau in den Armen seines Opfers. Als Wiedergutmachung für den „Un/Um/Anfall“ lädt er ihn in ein gutes Lokal ein, erleichtert ihn um seine Brieftasche, seinen Mantel und alles, was zu gebrauchen ist – und lässt ihn mit der Rechnung allein. Bei guter Vorbereitung kommt er auf einen ansehnlichen Stundenlohn.

Eddy beherrscht sämtliche Dialekte, die in Berlin hörbar sind.

Eddy findet immer den richtigen Ton, nicht nur, weil er die verschiedenen ethnischen Gruppen imitieren kann. Er imitiert sogar den Tonfall, den die Schwaben in Berlin anschlagen. Seine Beredsamkeit kann er unter Beweis stellen, als nach einem erfolgreichen Geschäft vor seinem Wohnblock zwei auffällige Gestalten stehen, die vom Aussehen her besser vor die Tür eines Bordells gepasst hätten. Sowohl die beiden als auch den aufgeregten Herrn, der eine Etage unter seiner Wohnung an die Tür pocht, verwickelt er in Gespräche. Durch sein chronisch schlechtes Gewissen fühlt er sich bedrängt und verfolgt.

Hütchenspieler und andere professionelle Tricks

Als meist gesuchter Jobkiller von ganz Berlin stellt sich besagter Herr heraus, der sich von Eddys Gelaber gestört fühlt. Um Eddy zum Schweigen zu bringen, holt er aus, stürzt, aber nicht auf den ausweichenden Eddy, sondern so unglücklich, dass er sich das Genick bricht. Eddy kann unmöglich die Polizei holen, ebenso wenig wie die beiden Kleiderschränke von Bodyguards.
Mit Hilfe des Hütchenspieler-Tricks, für den Eddy sich schon fast zu professionell fühlt, lässt er die Leiche verschwinden. Genau auf diese Weise laviert er sich durch die ganze Geschichte. Fast wäre er davongekommen, wenn er sich nicht verliebt hätte – ausgerechnet in die Tochter der Leiche…

Fazit: Ein Buch zum Verschlingen

Wenn Eddy als Meister-Gentleman-Betrüger bezeichnet werden kann, gebührt Jakob Arjouni der Titel eines Meister-Fantasie-Romanschreibers. Lauter Verwicklungen, immer wieder neue Wendungen, verbunden mit einem trockenen Humor, der zum Loslachen anregt. Ein köstliches, kurzweiliges Buch, voller Überraschungen – schade, dass es nach 245 Seiten schon zu Ende ist. Der Schluss ist allerdings so offen, dass durchaus noch eine Fortsetzung möglich wäre – kleine Anregung unsererseits 😉

Der heilige Eddy von Jakob Arjouni | Diogenes;  (24. August 2010)

 

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