♫ Musicaltipp: „Kiss me, Kate“ im Alten Schauspielhaus in Stuttgart

Zurück zu den Wurzeln – back to the roots. So oder ähnlich könnte das Musical „Kiss me, Kate“ in der Mitte des letzten Jahrhunderts aufgeführt worden sein. Mit einer Choreographie (Alexander Grünwald) wie in den alten Musikfilmen. Siehe -> ♫ Inhalt / Handlung: “Kiss me, Kate” mit Musik und Lietexten von Cole Porter

Bühne von Beate Zoff zeigt die Rückseite einer Theaterbühne, in der sich Fred (Adrian Becker) und Lilli (Antje Rietz) zoffen; in der der Inspizient (Axel Weidemann) und die Garderobiere (Amelie Sturm) arbeiten. Teilt sich die Bühne in der Mitte, entstehen zwei Tortenviertel, deren Seitenteile die Garderobenwände der beiden Hauptdarsteller bilden. Lillis Garderobe ist betont weiblich gehalten, selbst von der Farbauswahl – Seladongrün und Altrosa. Freds Garderobe dagegen zeigt sich trotz seines Pudertons männlich in Taubenblau.
Die Bühne selbst, auf der das Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare spielt, stellt sich als ein heruntergelassener Vorhang dar. Perspektivisch aufgemalte Kulissen zeugen davon, dass diese Truppe nicht über übermäßige finanzielle Mittel, dafür aber Fantasie verfügt.
Die Kostüme (Monika Seidl) der Schauspieler (im Shakespeare) sind im Stil der Theatermode der 50er-Jahre gehalten. Ebenso die privaten Kleider mit Petticoats.

Herrlich ausgearbeitete Szenen beleben diese Inszenierung von Ulf Dietrich. Wenn Fred und Katherina aus ihrem Schauspiel bitteren Ernst machen und Fred sie vermöbelt, greift der Inspizient ein und lässt den Vorhang schließen. Geistesgegenwärtig tanzt das übrig gebliebene Ensemble vor dem Vorhang einige Schritte aus ihrem Revueprogramm, während Lillis Gekreische und Freds Gebrüll sowie Schläge hinter dem Vorhang zu Hören sind. Diese Tanzschritte müssen noch einige male wiederholt werden. Herrlich ist dabei das Minenspiel der Tänzer – sowohl strahlend ins Publikum, als auch besorgt nach hinten. Außerdem müssen sie sich immer wieder neu formieren, solange hinter dem Vorhang noch keine Ruhe herrscht. Einzelne Tänzer machen schon Schluss, fangen aber mit irritierten Blicken von vorn an, reihen sich wieder ein, wenn auch mit Verspätung. Was einige Herrn im Publikum veranlasst, den Rhythmus der Schläge begeistert mitzuklatschen. Insofern scheint die Brücke zwischen Es-war-einmal-in-den-fernen-Fünfzigern und Jetztzeit geschlossen zu sein.

 

Der Star des Abends ist sowohl Kate, Miss Lilli als auch Antje Rietz in einer Person. Sie singt und spielt die Widerspenstige so realistisch, ohne überspitzt zu sein, dass ihr jeder die Figur abnimmt, Fred (Adrian Becker), der Manager der Schauspieltruppe, die endlich einmal die Gelegenheit bekommt, ein richtiges Theaterstück zu spielen, bringt die richtige Mischung von Machogehabe, Überheblichkeit und finanziellen Sorgen, Optimismus sowie Organisationstalent auf die Bühne. In seinem Trauerlied um KateAber treu bin ich nur dir Schatz (auf meine Weise)“ kann er aber auch melancholische Töne anschlagen.
Maja Sikora als Bianca agiert (zu) sehr überkandidelt, selbst für die Fünfzigerjahre, als „Blond & Blöd“ noch als Schenkelklopfer für eine – schon damals aussterbende – Sorte Mann bestimmt war.
William Danne als Bill Calhoun zeigt sich schon fast akrobatisch, wenn er vor Freude über seine weitergereichten Spielschulden aus einer Luke mit ausgebreiteten Armen und dem Kopf nach unten singt.
Stimmgewaltig sind sie alle, so unüberhörbar, dass besonders der 2. Rang wegen der Akustik für Menschen mit Hörproblemen empfohlen werden kann.

 

 

 

Kiss me, Kate von Cole Porter im Alten Schauspielhaus in Stuttgart
Inszenierung: Ulf Dietrich
Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben
Choreographie: Alexander Grünwald
Bühnenbild: Beate Zoff
Kostüme: Monika Seidl

Darsteller:
Michèle Fichtner
Jessica Krüger
Antje Rietz
Maja Sikora
Amelie Sturm
Adrian Becker
William Danne
André Naujoks
Reinhold Ohngemach
Sebastian Römer
Armin Schlagwein
Axel Weidemann
… als Ganovenpärchen Michael Gaedt und Michael Schulig von der „Kleinen Tierschau“

 

Kiss me, Kate: