✍ Hörbuch-Tipp: Entenblues – ein Krimi der ganz anderen Art

Erwin Düsedieker ist ein Spätzünder. Jahrelang lebte er mit seinen Eltern zusammen in der alten Wache, die sein Vater als Dorfpolizist betreute. Seine Eltern hielten nicht viel von ihm, und so passte sich Erwin ihren Erwartungen an.

cover.entenbluesAlle Leute im Dorf sahen in ihm einen Trottel. Als erst der Vater und schließlich die Mutter gestorben waren, beginnt für Erwin mit Mitte 50 sein eigentliches Leben. Dank einer kleinen Behindertenrente kann er es genießen. Von den Leuten wird er nicht behelligt, denn er behält nach außen seine Gewohnheiten bei. Er stapft mit Vorliebe in Gummistiefeln durch die Felder – immer in Begleitung seiner beiden Enten Lothar und Lisbeth.
Nach dem Tod seiner Mutter fängt Erwin an, Bücher zu lesen. Seine Bibliothek umfasst mittlerweile sowohl Klassiker wie Shakespeare und Goethe als auch Sachbücher und Romane. Erwin braucht etwas länger, bis sich die Wörter bei ihm einprägen. Hat er den Sinn einmal erfasst, bleibt der Inhalt des Buches wortwörtlich in seinem Hirn eingegraben. Dieses Gedächtnis ist eine große Stütze für Erwin. Er hat sogar schon einmal einen Kriminalfall gelöst. Das hat die Reporter auf den Plan gerufen, die allerhand Geschichten über ihn geschrieben haben, unter anderem, dass er sich die Beute unter den Nagel gerissen hat.
Erwin möchte ganz in Ruhe leben, zusammen mit seinen beiden Enten, die er abgöttisch liebt und umgekehrt. Außerdem hegt er Zuneigung für die 70-jährige Lina, mit der er zusammen seinen zweiten Fall lösen wird. Mit im Bunde ist sein Freund Arno, der bald mit in die Sache verwickelt wird. Arno spießt einen Reporter auf, der ausgerechnet zu dem Zeitpunkt aus dem Dachfenster springt, als Arno sich unter dem Fenster aufbaut. Den angespitzten Pfahl hält er wie eine Hellebarde in der Hand, gerade als er anfangen will, einen Zaun um Erwins Gartenteich zu fabrizieren. In eben diesem Teich lag schon ein paar Tage vorher eine Leiche. Das brachte den investigativen Lokalreporter auf Abwege, die ihn schließlich auf den Dachboden trieben.
Die Bäuerin Hildegard, die mit Arno zusammen ihren Hof bewirtschaftet, gehört ebenfalls zu den großen Hilfen in diesem Kriminalfall. Mit ihrem Trecker Baujahr 1950 kann sie querfeldein rasen und so manchem Fliehenden den Weg abschneiden.

Nicht nur die Geschichte ist ungewöhnlich, spannend, originell und voller witziger Wendungen. Einen großen Beitrag leistet Dietmar Bär als Vorleser. Er trifft genau den holsteinischen Dialekt, wenn „Anno“ mit „Ewwin“ diskutiert. Besonders gelungen sind die verschiedenen Charaktere, denen er jedem eine eigene Stimme verleiht.
Thomas Krüger liebt seine Figuren. Sie leben in ihrem eigenen Kosmos. Erwin, Lina, Arno und Lisbeth sind so plastisch beschrieben, dass die Figuren vor dem geistigen Auge lebendig werden. Nicht nur die Persönlichkeiten werden genau ausgemalt, sondern auch die Dörfer Bramschebeck und Pogge, die durch die B61c, die von Pökenhagen nach Fechtelfeld führt, getrennt sind. In der CD-Hülle liegt ein genauer Plan, mit dem man Erwins Entenspaziergänge und Hildegards Wendemanöver genau verfolgen kann.
Spannend, aber nicht reißerisch geschrieben. Vielleicht ist dieses Buch vergleichbar mit dem Roman “Vor dem Fest“, in dem Sasa Stanisic ein ganzes Dorf in der Uckermark mit all seinen Bewohnern auferstehen lässt.

 

Entenblues: Erwin Düsedieker ermittelt von Thomas Krüger (Autor), Dietmar Bär (Sprecher), Random House Audio (10. November 2014) ISBN-10: 3837127451

 

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