♫ Inhalt/Handlung: L’Enfant et les Sortilèges – Oper von Maurice Ravel

Das Kind und der Zauberspuk – „lyrische Phantasie“ in zwei Teilen. Maurice Ravel lässt ein Kind mit antiautoritären Verhaltensweisen in seiner Oper L’Enfant et les Sortilèges/Das Kind und die Zauberdinge von aufgebrachten Spielzeugen und gequälten Tieren in die Ecke treiben. Eine lebende Spielwelt erweist sich als wirkungsvolle Erziehungsmaßnahme.

Teil 1 – Am Schreibtisch sitzt ein Schuljunge und druckst an seinen Hausaufgaben herum, obwohl er lieber spielen möchte.

Das Kind und der ZauberspukAls die Mutter nach ihm schaut, steckt er ihr die Zunge heraus – ein zu Colettes Zeiten unerhörtes Benehmen, das sofort mit Stubenarrest geahndet wird. Das bringt den Hausaufgaben-Verweigerer erst recht in Rage. Er zerdeppert Tasse und Teekanne, quält das im Bauer sitzende Eichhörnchen, zieht die Katze am Schwanz. Und wo er schon einmal so richtig dabei ist, reißt er die Tapete von der Wand und kippt die Standuhr um. Sein Credo, lange bevor es für „antiautoritär“ überhaupt ein passendes Wort gibt, fasst der kleine Satansbraten in folgende Worte: „Ich bin böse und frei!“.

Teil 2 – Kaum möchte er sich – erleichtert über das getane Werk – im Lehnstuhl ausruhen, beginnen die Gegenstände um ihn herum lebendig zu werden.

Eine ständig schlagende Standuhr kommt mit den übrigen zerstörten Gegenständen auf ihn zu, und zwar im Foxtrott-Rhythmus der wilden Zwanziger Jahre. Eine Prinzessin tritt mit Flötenbegleitung aus dem zerfetzten Lesebuch; das Rechenmännchen formuliert im Stakkato die ungeübten Mathematikaufgaben.

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Bei einem leidenschaftlichen Katzenduett (miau, miauhmi-au…) verschwinden die Zimmerwände, und der Junge findet sich in der freien Natur wieder. Er lauscht den zauberhaften Gesängen der Insekten, Frösche, Kröten, Eulen
Als die Tiere ihn bemerken, weint die Libelle über den Verlust des Weibchens, das jetzt tot mit einer Nadel zerstochen im Zimmer hängt. Selbst die Frösche verlassen den Teich und umzingeln mit den anderen Tieren den Quälgeist – der ängstlich nach seiner Mutter schreit – und zählen auf, wie sie von ihm malträtiert wurden. Im allgemeinen Getümmel verletzt sich ein Eichhörnchen und kriecht blutend in die Nähe des Kindes. Spontan verbindet der Junge das Bein mit einem Band.
Damit ist der Bann gebrochen. Die Tiere nehmen den Jungen in ihre Mitte, begleiten ihn ins Haus und rufen mit ihm nach der Mutter.

Sidonie-Gabrielle Colette schrieb die Texte zu dieser „lyrischen Fantasie“  schon 1919.
Maurice Ravel (1875 – 1937) dachte oft daran, fing aber erst ein Dreiviertel Jahr vor der Uraufführung (21. März 1925) an, die Komposition aufzuschreiben. Anscheinend hat ihm das viel Spaß bereitet, denn er verarbeitete darin die aktuellen Modetänze dieser Zeit, sowie Operetten-Elemente, die er wahrscheinlich in „ernsten“ Werken nicht so ohne weiteres untergebracht hätte.

L’Enfant et les Sortilèges

L’Enfant et les Sortilèges (Das Kind und der Zauberspuk) „lyrische Phantasie“ in zwei Teilen mit Musik von Maurice Ravel dauert 65 Minuten. Das Libretto schrieb Colette nach ihrer Literarische Vorlage “Divertissement pour ma fille“. Uraufgeführt wurde die Oper in Monte Carlo (Opéra). Es spielt in einem Zimmer und Garten eines Landhauses in der Normandie

Personen:

Kind (Mezzosopran), Mutter (Alt), Sessel (Bariton), Standuhr (Bariton), Teekanne (Tenor), Chinesische Tasse (Alt), Feuer / Prinzessin / Nachtigall (Sopran), Hirtin (Sopran), Hirte (Sopran), Prinzessin (Sopran), Kleiner alter Mann / Baumfrosch (Tenor), Tiere, Pflanzen, Möbel (Kinder- / Chor)

 

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L’Enfant et les Sortilèges:

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