♫ Ballett-Chorgeografie von Jorma Elo: Slice to sharp

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♫ Zwischen „Theme und Variationen“ von George Balanchine und dieser Choreografie liegen fast sechzig Jahre, zwischen Le Poème de l’extase von John Cranko sechsunddreißig.

Musik und Tanz
Die Bewegungen der Tanzpaare mit der Barockmusik von Ignaz Franz von Biber und Antonio Vivaldi sind eins. Jede gespielte Note der hervorragenden Solo-Geigen (Jewgeni Schuk und Mark Stanley) findet sein Doppel in der Bewegung. Zu Erleben ist ein Tanz bis in die Fingerspitzen – nicht so sehr wie bei Balanchine in die Fußspitzen. Stakkato in der Musik zum Beispiel bedeutet abrupte Bewegungen der Arme und Beine, oder, wenn es ganz schnell gehen muss, der Fingerglieder.

Lebendige Bilder
Helle Haut hebt sich ab vor dunklem Hintergrund. Arme und Beine bilden und malen immer wieder neue graphische Zeichen und Symbole, die sich im Laufe der Musik ändern – eben variieren. Rauten bilden die Beine, Ovale die Arme der Tänzerinnen und Tänzer. Musik bedeutet hier Einheit, Verdoppelung und Spiegelung der Bewegung.
Die Körper der Tanzpaare setzen andere Zeichen – mal verschlungen, mal parallel, mal eins. Lassen sie die Arme kreisen, sind flüchtig Räder oder Fächer zu sehen. Ein Paar formt jeweils ein Bild, das sich bei jedem Ton mit jeder Bewegung immer wieder neu zusammenfügt, auswechselt und verändert.

Ballettkostüme
Viel tragen auch die Kostüme zu diesem Eindruck bei. Die Herren in eng anliegenden, blauen Shirts und Strumpfhosen. Die hellen Hände und Füße bleiben unbedeckt. Der blaue Body der Damen lässt die hellen Arme, Beine und Schultern frei. Ein glänzendes Band zieht sich von der linken Hüfte mit einem Schwung über den Rücken und endet über der rechten Brust. Schon im Stehen bildet es eine Bogenlinie. Beim Drehen wird die Spirale deutlicher. Bei einer Pirouette schrauben sich die Tänzerinnen und Tänzer nach oben oder nach unten, je nachdem, in welche Richtung sie sich drehen.

Nachwirkung
Diese Choreografie von Jorma Elo ist (beispielhaft für diese Zeit) der Tanz der Paare – der gleichberechtigten Paare. Die Musik verbindet sich mit dem getanzten Bildnis und bleibt in der jeweiligen Konstellation im Gedächtnis haften. Diese Inszenierung sich ewig erneuernder Momentaufnahmen lässt die Kamera im Kopf nicht zur Ruhe kommen.

 

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6. 11. 2008: Das zweite und jüngste Stück des Ballettabends „Variationen“ zeigt eine Chorgeografie von Jorma Elo: Slice to sharp.
Musik von Heinrich Ignaz Franz von Biber und Antonio Vivaldi.
Die Kostüme stammen von Holly Hynes.
Uraufgeführt wurde dieses Ballett am 16. Juni 2006, New York City Ballet, New York State Theater. Die Erstaufführung beim Stuttgarter Ballett fand statt am 01. November 2008.

 

Mehr über Jorma Elo: Schon die Kostüme überraschen, denn sie sehen aus wie in einem klassischen Ballett – Schwanensee zum Beispiel – aber nur fast. Genau so klassisch scheint auch das Ballett auf den ersten Blick. Es schrammt immer an einem „Beinahe“ vorbei. Jorma Elo macht sich über das klassische Ballett lustig, und zwar auf eine sehr gekonnte und amüsante Weise…