Hörbuchtipp: Harold von Einzelkind – skurrile Typen bevölkern diesen Roman

Harold pflegt ein ganz besonderes Hobby – er zelebriert seine Selbstmorde. In seiner häuslichen Mietwohnungs-Umgebung kennen seine Nachbarn es schon und beachten es kaum noch.  Seine Lieblingsnachbarin mahnt ihn, rechtzeitig mit dem Erhängen fertig zu werden, damit er nicht zu spät zum Bridge kommt. Ausgerechnet an seiner Arbeitsstelle – hinter der Wursttheke in einem Supermarkt – ist ihm sein Hobby zu Verhängnis geworden. Wegen der kurzen Pause konnte er sich nicht mehr umziehen, nachdem er in einen Bottich mit Ochsenblut gebadet hatte. Harold macht die Kündigung nicht viel aus, denn so kann er sich mehr auf seine Selbstmordversuche konzentrieren.

Ausgerechnet da muss ihn die neue Nachbarin beauftragen, ein Auge auf ihren Sprössling zu werfen, während sie für eine Woche beruflich in Südfrankreich weilt. Ehe Harold sich überhaupt entscheiden kann, hat er Melvin an der Backe.
Ab jetzt bestimmt Melvin, wo es lang geht. Melvin hält sich für ein Genie, kann nur so mit Fremdwörtern um sich schmeißen und seine Umgebung in Grund und Boden schwadronieren. Mit Harold kann er die Abenteuer erleben, die seine Mutter ihm nicht erlaubt, obwohl er schon elf ist, selbst wenn er noch wie Acht aussieht. Zuerst nimmt er Harold mit auf die Rennbahn und behauptet, sich mit Pferden auszukennen. Er drängt Harold, auf einen bestimmten Gaul zu wetten, damit Harold künftig nicht auf das kärgliche Arbeitslosengeld angewiesen sein muss. Als der gesetzte Gaul als letzter durchs Ziel trabt, bleibt Harold nur noch das Arbeitslosengeld, denn alles andere hat er verspielt. Nach einem Ausflug in ein verruchtes Lokal, das sie wegen Harolds ausgeprägtem Fluchtreflex gerade noch rechtzeitig verlassen konnten, hat der kleine Satansbraten Größeres vor. Er möchte seinen Vater suchen, von dem er nur den seltsamen Vornamen kennt. Nach seinen Recherchen gibt es in England und Irland genau fünf Männer mit diesem Vornamen. Harold, seine „temporäre Aufsichtsperson“, fährt den Saab von Melvins Mutter. Nach fast dreißig Jahren ohne Fahrpraxis gelingt Harold ein Nervenkitzel nach dem anderen.

Melvin nähert sich jedem Vaterkandidaten ganz unvoreingenommen.
Er hat vor nichts Respekt oder gar Angst, was  einige Male in brenzlige Situationen endet.  Um sich tot zu stellen, findet Harold dabei einige kreative Ansätze für sein Hobby, die Selbstmordversuche. Kein Wunder, als Vater kommen sowohl ein reicher Anwalt, ein Obdachloser, ein immer verlierender Boxprofi, ein Gangsterboss mit arabischen Wurzeln und ein patriotischen 81-jähriger Engländer, der sich in Irland verschanzt, in Frage.  Zu allen fühlt Melvin sich hingezogen, selbst wenn sie nach seiner Einschätzung nicht für sein Genie zuständig sind – aber das in Frage kommende  Genmaterial überspringt ja häufig mehrere Generationen.

Fantasievolles Road-Movie mit skurrilen Typen in ebensolchen Situationen.
Benno Führmann verleiht Melvin eine schnarrende Stimme, so dass man dieses Früchtchen lieber auf Abstand hält. Harold dagegen, der sich treiben lässt und am liebsten sein Hobby in Ruhe pflegen möchte, gewinnt die volle Sympathie der Zuhörer. Insgesamt kurzweilig, manchmal zum Losprusten.

Von Einzelkind, dem Autor dieses Romans, laut Verlag „das größte literarische Rätsel der vergangenen Jahre“, weiß die Literaturwelt nicht viel. Er könnte ein in London lebender Deutscher sein. Literaturkritiker bescheinigen ihm einen typisch britischen Humor. Fest steht auf alle Fälle: Er hat Humor – einen typisch männlichen Humor. Einen zu Sarkasmus neigenden Humor der Schadenfreude.

Harold: Starke Stimmen. BRIGITTE Hörbuch-Edition | Einzlkind (Autor) | Benno Fürmann (Sprecher) | Random House Audio Editionen (19. September 2011) | EUR 9,99

 

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