Dokumentarfilm-Tipp: „Die Nordsee von oben“ von Silke Schranz und Christian Wüstenberg

Durch das Auge einer Helikopter-Filmkamera erleben die Zuschauer die Nordsee von oben – Naturschutzgebiete, Inseln, Küstenbewohner, Schifffahrt, Hafenstädte und jede Menge Hintergrund-Informationen.

Der Film beginnt mit einer Irritation.
Ein riesiges Schiff, ein luxuriöses Hotel für Kreuzfahrtpassagiere, schwimmt mitten in einem schmalen Fluss. Eingerahmt von grünen Ufern kommt es auf die Zuschauer zu. Nein, es bewegt sich weg. Nach hinten gezogen wird es von mehreren winzig kleinen Schleppern, die ihre Taue mit dem schwimmenden Hochhaus verbunden haben. Gullivers Reisen?
Der Helikopter – und damit die Kamera – fliegt nach vorn und zeigt die andere Perspektive. Das Passagierschiff wurde auf einer Werft gebaut und muss durch die Weser ins offene Meer überführt werden. Im Vorwärtsgang würden die Wellen die Ufer überschwemmen. Im Rückwärtsgang schaufelt die Schiffsschraube Wasser unter den Bug. Das ist auch nötig, denn es bleiben gerade mal 50 cm bis zum Grund – Kniehöhe. Das ist immerhin luxuriös im Gegensatz zum allgemeinen norddeutschen Wunsch für „Viel Glück“. Da heißt es: „Immer ’ne Handbreit Wasser unter’m Kiel“. Schwierig ist das Navigieren für den Kapitän, auch wenn die Schlepper das Schiff rechts und links in der schmalen Fahrrinne halten.
Weltkulturerbe Wattenmeer, genau so einzigartig wie der Grand Canyon.
Ein schmaler, aber dafür hoher, Felsenturm ragt aus der Nordsee. Wie in einem Hochhaus mit diversen Fenstern brüten in den Felsspalten die seltensten Vögel. Von unten nach oben besetzen sie verschiedene Stockwerke. Beäugt werden sie von den Helgoländern und ihren Gästen, die auf der Steilküste gegenüber stehen. Trotz der unmittelbaren Nähe fühlen sich die Vögel ungestört, denn sie trennt die Steilküste, und darunter braust die Nordsee. Nix für Klettermaxen. In Naturschutzgebieten herrschen eigene Regeln.
„Wer sich nich dran hält, kriecht Mecker“.

Bewohner der Küste und der Inseln üben teilweise seltene Berufe aus.
Zu den seltensten Berufen gehört der Reusenfischer. Bei Ebbe gleitet er mit seinem Holzschlitten durch den Schlick, wie die Eskimos durch den Schnee. Gezogen wird der Schlitten von drei Schlittenhunden, die den Weg auch ohne ihn finden, selbst bei Dunkelheit und Schietwetter.
Jeden Tag kontrolliert der Fischer seine Reusen. Sie sind so aufgestellt und verankert, dass ihre Eingänge ins offene Meer zeigen. Die Flut spült Krabben und andere Meerestiere hinein, die der Fischer jeweils bei Ebbe erntet. Würde er die Reusen nicht leeren, würden die Krabben während der Ebbe in der Trockenheit verfaulen. Die Vögel würden die Reusen aufhacken, um an den Fisch zu kommen. Ein Leben, geprägt von den Gezeiten.

Die Kamera führt von der Weser über die Inseln und Halligen an der Küste entlang bis Hamburg, taucht in den Nordostseekanal hinein bis Kiel, fliegt über den weißen Sand von Sankt Peter Ording nach Husum – die graue Stadt am Meer – bedeutender Umschlagplatz für die Nordseefischerei. Weiter nördlich zeigt die Kamera die nordfriesischen Inseln Amrum, Föhr und natürlich Sylt. Der Film endet mit dem nördlichsten Punkt Deutschlands, der Kehre auf Sylt.

„Ach Kinnings, is unsere Heimat nich scheun?“
Christian Wüstenberg trifft mit dieser Feststellung genau den Nerv der Zuschauer. Erst wurde der Film natürlich im Norden gezeigt. Nach einer Odyssee durch Deutschland ist er im September in Kirchheim unter Teck angekommen. Auch im Schwabenländle begeistert er mit den stimmungsvollen Aufnahmen die Zuschauer.
Wer’s kennt, kriecht Heimweh; wer’s nich kennt, kriecht Fernweh!

 

 

Die Nordsee von oben – DVD – von Silke Schranz und Christian Wüstenberg | EUR 24,90

Vogelperspektive:
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