♫ Oper Stuttgart: „Don Giovanni“ gegen drei starke Frauen

Nicht Don Giovanni, sondern die „Exgeliebte“ Donna Elvira, die „Zurückgewiesene“ Donna Anna und die neuste „Fasteroberung“ Zerlina stehen im Mittelpunkt der Inszenierung von Andrea Moses in der Stuttgarter Oper.

Das kann durchaus amüsant sein. Wenn dann noch die Mitglieder des Opernchores dazukommen, die als Vertreter der „Unterschicht“ Menuett tanzen üben, erreichen die Mundwinkel fast die Ohren.

Inhalt / Handlung: Don Giovanni


Donna Elvira entdeckt ihre wahre Berufung – sie rächt. Sie rächt erst sich selbst und dann die Frauen, die auf Don Giovanni hereinfielen. Sophie Marilley, Komödiantin bis in die blonden Haarspitzen ihrer Perücke, mit der sie unerkannt Don Giovanni treffen möchte, raucht vor Tatendrang und Einsatzbereitschaft. Nichts lässt sie unversucht, um ihre Leidensgenossinnen zu warnen. Sie kriecht sogar unter die Hollywoodschaukel, um Zerlina von Don Giovanni loszueisen. Zwar geht sie vollkommen in ihren Rachegefühlen auf, aber als Don Giovanni sie ruft, schlägt ihre Stimmung sofort um. Da hilft auch nicht die Backpfeife, die sie sich selber gibt. Sophie Marilley spielt nicht nur flott ihre Rolle des von Missionsdrang beseelten Racheengels, sie singt dabei auch noch wie ein Rossin’scher Figaro in der Schnellsprecharie.
Eigentlich mag Don Giovanni gar nicht erobern, aber die Frauen kletten sich an ihn – er kann gar nicht anders. Shigeo Ishino ist genau der richtige Typ für diese Rolle. Da hilft auch kein Mafiosoanzug (weiß mit schwarzem Hemd und Panamahut) oder der lange Mantel, der ihn nach Bordellbesitzer aussehen lässt. Shigeo Ishino ist und bleibt ein Charmeur, vom gegeelten Kopf bis zu den hellen Schuhspitzen – ein Frauenversteher. Donna Anna  (Catriona Smith) streicht ihm über den Rücken, steigt lasziv von ihrem Barhocker, verabschiedet sich mit einer Umarmung von ihrem Verlobten Don Ottavio (Atalla Ayan) und winkt ihm über dessen Schulter zu. Don Giovanni prostet gewohnheitsmäßig in ihre Richtung, geht auf ihr Zimmer, hat aber keine Lust auf ihre Avancen. In dieser schlechten Laune tötet er auch den Komtur – eher nebenbei. Cathriona Smith zeigt mit Donna Anna einmal mehr ihre Fähigkeit, unterschiedliche Rollen auszufüllen. Um ihren inaktiven Dauerverlobten Don Ottavio nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen, putzt sie in einer Ersatzhandlung mit dem Lappen seine Brille, Fenster und Treppengeländer, während sie bravourös ihre Koloraturen meistert.
Zerlina (Eleonor Sohn) reagiert überkandidelt, weil sich ein feiner Herr für sie interessiert, ist ständig hin und hergerissen zwischen dem charmanten Don Giovanni und dem steifen Bräutigam Masetto (Adam Cioffari), der aber sehr überzeugend eifersüchtig sein kann.
Eine Inszenierung voller Situationskomik. Drei starke Frauen, die Don Giovanni zwar die Kugel geben würden, trauern am Schluss um seine Leiche, jede wie seine Witwe. Zerlina nimmt den Pelzmantel als Erinnerung, Elvira den zerdrückten Hut, den ihr abwechselnd Anna und Zerlina abluchsen. Wutschnaubend und mit aufgestellten Nackenhaaren holt Elvira ihn immer wieder zurück.

Leporello (André Morsch) und Don Giovanni sind ein eingespieltes Team und könnten wohl auch nicht ohneeinander auskommen – trotz kleiner Zerwürfnisse mit vorgehaltener Pistole. Leporello wäre bei jedem anderen Arbeitgeber unterfordert. André Morsch, der genervte Leporello, hat seinen Liebhaberinnenkatalog im Handy gespeichert und auf eine Garagenwand projiziert – einschließlich Fotos.
Don Ottavio (Atalla Ayan) hat seine schönsten Momente, wenn er allein seine gefühlvollen Arien singt. Er ist ein Theoretiker, der sich gern an seinem Cocktailglas festhält, Problemen entweder aus dem Weg geht, sie an Donna Anna weitergibt oder sie vor sich herschiebt. Ganz allein singt er seine Arien, in denen er Anna alles verspricht oder Don Giovanni in die Hölle wünscht. Keiner der Angesprochenen hört ihn, außer dem Publikum – und das ist äußerst angetan.
Attila Jun singt mit seinem Bass den Komtur stoisch und fest, eher großväterlich, auf keinen Fall erschreckend.

Bühnenbild und Kostüme von Christian Wiehle.
Auf der Bühne steht ein Hotel mit einer Bar, vorn mit einer Glaswand abgeteilt. Darüber ein Schlafzimmer und ein kleiner Ruheraum mit einem Sessel. Hinter den Garagentoren auf der Rückseite der Drehbühne wird die Hochzeit gefeiert, mit Würstchengrill und Bierkästen.
Kostüme: Donna Annas Trauerkleidung, Elviras elegante Lederkluft, Don Ottavios Businessanzug repräsentieren die klassische Oberschicht.
Zerlina, Masetto und der Chor charakterisieren mit ihren Trainingsjacken Vertreter der Unterschicht. Leporello kleidet sich als typischer Dienstleister mit Jeans, Kappe und Sportschuhen – praktisch und für alles gerüstet.

 

♫ Inhalt / Handlung: Don Giovanni – Oper mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
♫ Wilhelma Theater Stuttgart – „Don Giovanni“ von Mozart – engagierte und intonationssichere junge SängerInnen
♫ Oper Stuttgart: “Don Giovanni” gegen drei starke Frauen

 

Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart in der Oper Stuttgart

Musikalische Leitung: Willem Wentzel
Regie: Andrea Moses
Bühne und Kostüme: Christian Wiehle
Choreografie: Jacqueline Davenport
Chor: Johannes Knecht
Dramaturgie: Moritz Lobeck, Hans-Georg Wegner

Besetzung am 3. Oktober 2012
Don Giovanni: Shigeo Ishino
Donna Anna: Catriona Smith
Don Ottavio: Atalla Ayan
Komtur: Attila Jun
Leporello: André Morsch
Donna Elvira: Sophie Marilley
Zerlina: Elinor Sohn
Masetto: Adam Cioffari
Staatsopernchor Stuttgart
Staatsorchester Stuttgart

 

Wenn Damen ihren Opernbesuch vorbereiten – folgen Sie unseren Shopping-Tipps

jetzt online bestellenZierliche Abendtäschchen
High Heels – Hohe Hacken
Samtkleider
Seidenkleider

Don Giovanni:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*