♫ Teseo: Medea im Kapuzen-Cape zwischen vibrierenden Industriefassaden

Teseo von Georg Friedrich Händel in der Stuttgarter Staatsoper

Bühnenbild von Igor Bauersima

Ein Riesen-Wellblech-Kasten nimmt fast die ganze Bühne ein. Was am Anfang aussieht wie die langweiligen Kästen, Schachteln, Kuben, die uns fast ein Jahrzehnt lang als Bühnenbild verkauft wurden, entpuppt  sich als „lebende“  Wand.

Am Anfang vibriert dieser Kasten wie der Generator, den ein Arbeiter oben angebracht hat. Alles nur Schau, denn die Fassade hat Georg Lendorff

Alles nur Fassade

lediglich auf die Wand projiziert. Dieser Kasten teilt sich immer neu. Mal stehen die Wände als Arkaden nebeneinander, mal bilden sie eine Schlucht aus Industriefassaden, mal wird eine Gewölbedecke aus unterschiedlichen Blickwinkeln an die Wände geworfen, mal zeigt es eine Säulenhalle von Innen oder Aussen, mal ziehen Wolken vorbei. Als Medea sich von ihrer bösesten Seite zeigt, stehen die Wände in Flammen. Herumgefahren und verändert werden die Wandelemente von Alexandra Dieterle, Nadine Holländer, Yun Huang, Lena Zimmermann, Tobias Fischer, Benjamin Karagöz, Konrad Lucas, Jossip Sisilovic, die auch stumme Rollen in dieser Oper einnehmen.

Kostüme von Johanna Lakner

Kostüme wie in meiner Kindheit. Im Gegensatz zu Anna Viebrocks Stereotypen scheinen sie bewusst eingesetzt und passen zu diesem Thema, denn die beiden Paare Teseo / Agilea und Clizia/Arcane sehnen sich danach, ein Leben in geregelten Bahnen zu führen. Die engen Röcke mit den rückwärtigen Gehschlitzen, die taillierten Prinzesskleider mit dem Rüschenbesatz und vor allen Dingen die dicken Strümpfe weisen eine Frau als solide aus. Die beiden Damen Agilea Jutta Böhnert und Clizia Olga Polyakova tun durch ihre Kleidung kund, dass sie sich mit ihrer gesellschaftlichen Rolle identifizieren.

Der weit gereiste Teseo Franco Fagioli darf sich leger geben im Seemannspullover, aber Hose mit Bügelfalten. Arcane Matthias Rexroth weist sich durch die hohen Stiefel und den Mantel mit Pelzbesatz als Landedelmann aus. Mit seinem „Westover“ tut er kund, dass er sich in festen Händen befindet, denn der wurde traditionsgemäss von seiner zukünftigen Frau gestrickt, womit diese der Aussenwelt ihre hausfraulichen Fähigkeiten unter Beweis stellen musste.

MedeaHelene Schneiderman / Stella Doufexis – mit ihrem breitkrempigen Hut, dem riesigen Kapuzen-Cape mit Fellbesatz und dem mondänen silberfarbenen Hosenanzug, nicht zu vergessen die kunstvolle Hochfrisur – tritt auf wie die Filmdiva Sophia Loren in ihren besten Jahren: fern, schön, unnahbar, unwirklich, abgehoben vom Alltag.

Kai Wessel als König Egeo ziehtsich ständig um, was ihn als Mann mit gesellschaftlichen Verpflichtungen ausweist.

Oh ja, die „gute“, alte Zeit mit ihren Regeln – nonverbale Zeichen, die damals jeder kannte.

Inhalt/Handlung: Teseo – Oper von Georg Friedrich Händel
Teseo: Drei Soprane, drei Countertenöre – welch ein Erlebnis!
Teseo: Medea im Kapuzen-Cape zwischen vibrierenden Industriefassaden

 

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