♫ Ballett Stuttgart: The Lady and the Fool – fast zu schön, um wahr zu sein

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Die Zuschauer erleben ein Handlungsballett von der Liebe einer reichen Schönen zu einem wohnsitzlosen Clown.

Sehr elegant, sehr klassisch, die Wiederaufnahme von John Crankos 1954 entstandenem Ballett.

Die beiden Freunde Moondog und Bootface teilen alles.

Sie teilen die Parkbank zum Schlafen, Schals, Mäntel und Socken gegen die Kälte der Nacht. Sie gehen durch dick und dünn. Als Beide sich ausdrucksstark um eine Rose streiten, teilt der Sieger Moondog (Filip Barankiewicz) die Blütenblätter. Er gibt das letzte Blatt dem unterlegenen Bootface (Arman Zazyan). Beide ziehen Arm in Arm ab.


Doch da kommt die schöne Lady dazwischen.

Wenn die Lady (Maria Eichwald) sich vor lauter Langeweile über ihr eintöniges Leben – immer nur Bankette und Bälle – den Frust von der Seele tanzt, vollführt sie das ausgesprochen elegant, leidenschaftlich leidend. Sie tanzt so hinreißend, dass alle Herren nur Augen für sie haben. Das geht so weit, dass deren Tanzdamen sich genötigt sehen, ihnen von hinten die Augen zuzuhalten. Die Lady hat genügend Verehrer, die ihr den Hof machen. Jeder möchte ihr mit noch höheren Sprüngen imponieren, doch sie begehrt nur einen der beiden Freunde.

Alle drei Verehrer geben ihr Bestes.

Der elegische Prinz (Evan McKie), dem alles zu viel wird vor lauter Interessenlosigkeit. Der souveräne Gastgeber (Damiano Pettenella), der sich etikettenbewußt präsentiert. Der forsche, zackige Offizier (Roman Novitzky), der zeigt, dass er mehr als eine Frau lieben kann und will. Belagert werden sie von den beiden heiratswilligen Damen (Magdalena Dziegielewska, Katarzyna Kozielska), die jedem Frackzipfel hinterhertanzen. Leider werden sie von den drei Herren nur als zweite Wahl angesehen.

Hinreißend ist das Solo der Lady.

Sie nimmt ihre Maske ab für ihren Befreiungstanz. Moondog, der die Gebräuche noch nicht so kennt, beobachtet sie. Jeder der drei Herren hätte sich diskret zurück gezogen – Moondog zieht ihr neugierig die rasch vorgehaltene Maske vom Gesicht. Das imponiert der Lady – sie verliebt sich in den Clown. Er schafft es tatsächlich, die feine Gesellschaft zurück zu drängen. Die Lady zieht mit ihm ab, aber Moondog dreht sich nach seinem Freund um und reicht ihm die Hand. An seinem Mantelzipfel trottet Bootface hinter den beiden her.

Und was macht die feine Gesellschaft?

Sie macht das, was sie am Besten kann – sie tanzt. Als herauskommt, dass die Lady es mit Moondog ernst meint und ihm hinaus in die Nacht folgt, staksen sie lautstark auf Zehenspitzen – mit missbilligendem Kopfschütteln – aus dem Saal.

Für drei Personen ist kein Platz auf der Parkbank.

Die Lady bettet sich auf Moondogs Schoß und schubst Bootface herunter – auf äußerst zarte und elegante Weise. Erst will er sich rächen, dann deckt er ihre Füße mit einem Schal zu, wie er es auch bei Moondog getan hat. Danach legt er sich zum Schlafen auf den Boden.

Nicht nur das Ballett, sondern auch die Ausstattung von Astrid Behrens – neu 2011 – ist Geschichte.In dieser Zeit bestanden die Bühnenbilder aus überdimensionalen Würfeln und Ziegelsteinen oder Mischformen aus beiden. Genau solche – in neutralem Grau – stehen an den Seiten und im Hintergrund. Sowohl Choreographie als auch Bühnenbild sind doppelter Hinsicht lebendiges Ballettmuseum, wie es wohl in dieser Perfektion außerhalb Stuttgarts nicht so häufig anzutreffen ist.


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The Lady and the Fool – CHOREOGRAPHIE | John Cranko
MUSIKALISCHE LEITUNG | James Tuggle
Staatsorchester Stuttgart
MUSIK | Guiseppe Verdi, arrangiert von Charles Mackerras
AUSSTATTUNG | Astrid Behrens

Fotos | Ballett Stuttgart

Besetzung am 25. April 2012
LADY|Maria Eichwald *
MOONDOG | Filip Barankiewicz *
BOOTFACE |Arman Zazyan
GASTGEBER | Damiano Pettenella * (Besetzungsänderung)
OFFIZIER | Roman Novitzky *
PRINZ | Evan McKie

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