☛ Trickfilm-Tipps – traurig und erschütternd

Während vor einigen Jahren noch die humorigen Filme vorherrschten, sind es zur Zeit die nachhaltigen, traurigen, Erschütterung hervorrufenden Filme.

 Abuelas (Grandmas) von Afarin Eghbal

Eine Großmutter denkt zurück an die Zeit, in der ihre Tochter klein war. Sie schaut sich die alten Fotos an, und siehe da, ihre Tochter wird lebendig. Sie tanzt, lacht, freut sich ihres Lebens. Dann kommt der Abschied. Die Mutter gibt ihr mit auf den Weg, ja vorsichtig zu sein. Ihre Tochter beruhigt sie, wünscht ihr alles Gute, sendet ihr Luftküsse und verschwindet – auf Nimmerwiedersehen.

Irgendwann bekommt die Mutter eine Nachricht, dass ihre Tochter verunglückt sei.

Die Mutter schaut auf ihre Fotos – eines nach dem anderen – die ihre Tochter im Kreise der Familie zeigt. Strahlend und glücklich sehen alle aus, wenn sie lachend in die Kamera schauen. Die Tochter löst sich auf und hinterlässt eine schwarze Silhouette zwischen den übrigen Familienmitgliedern.
Die Mutter  mag nicht glauben, dass ihre Tochter tot ist; sie forscht weiter. Durch einen Gentest findet sie zu ihrem Enkel, nach dreißig Jahren. Trotz aller Freude darüber macht sie sich jede Woche aufs Neue auf den Weg. Sie bindet ihr weißes Kopftuch um, gefertigt aus einer Babywindel. Zusammen mit anderen Müttern und Großmüttern, den Madres de la Plaza de Mayo, trifft sie sich, um gegen die Verschleppung ihrer Kinder und Enkel zu protestieren, die während der Militär-Diktatur  in Argentinien verschwunden sind.
Dieser Film lässt in seiner Eindringlichkeit sprachlose Stille zurück. Bei mir auch noch Tränen in den Augen.

Abuelas (Grandmothers)

United Kingdom 2011, Regie: Afarin Eghbal, 9 min HD, engl. OF
Drehbuch: Afarin Eghbal, Francesca Gardiner, Produzent/in: Kasia Malipan, Kamera: Claire Buxton, Schnitt : Katherine Lee, Musik: Lennert Busch
Darsteller: Geraldine McEwan (narrator), Joy McBrinn, Alexia James

Zeinek gehiago iraun (Who last’s longer? Wer hält länger aus?)  Von Gregorio Muro

Es fängt an mit einem Kinderspiel. Vier Freunde stehen auf den Gleisen und spornen sich gegenseitig an. Wer springt zuletzt, wenn der Zug kommt? Anders Schuhband hat sich in den Gleisen verfangen. Der Zug erfasst ihn. Er wird zwar gerettet, bleibt aber für sein Leben behindert, körperlich und geistig. Er erkennt seine Freunde nicht mehr.
Seine Eltern bringen ihn im Rollstuhl nach Hause. Sie freuen sich über die kleinsten Fortschritte. Ander erkennt das Akkordeon. Der Vater holt es hervor und spielt einen lustigen Tanz, zur Freude der ganzen Familie. Ander lernt, mit Krücken zu gehen, erkennt langsam seine Umgebung wieder. Jahrein und jahraus begleiten die Eltern ihn zur Therapie in die Klinik.
Seine Freunde werden groß, sie verlieben sich, sie heiraten und bekommen Kinder. Auch Ander wird größer und immer unförmiger. Sein Verstand ist seit dem Unfall gleich geblieben. Seine Mutter begleitet ihn zu den Therapiesitzungen – alt, krank und mutlos. Da kommt der letzte Zug, der sich ebenfalls verhängnisvoll auswirkt.

Dieser Augenblick, der das Leben eines Kindes und auch das der Eltern verändert. Ein Film, der viel über die Liebe der Eltern erzählt, die er Film über Jahre und Jahrzehnte begleitet. Sie stellten sich ihre Zukunft anders vor, sind aber bis zur Erschöpfung für ihren Sohn da.

366 Tage von Johannes Schiehsl

Der autobiographisch gefärbte Film erzählt die Geschichte eines

Zivildienstleistenden, der voller Elan seinen Dienst antritt. Er fährt in einem Krankenwagen mit dem stoischen Fahrer, der mit seinem dicken Bauch kaum hinter das Lenkrad passt und sofort den Radetzkymarsch auf volle Lautstärke stellt. Das Leid der Menschen lässt er nicht an sich heran. Er schlägt den angebotenen Kaffee genau so aus wie er jedes mal dem Beinamputierten Fußballzuschauer in den Rollstuhl hebt.
Der junge Mann mag das nicht so hinnehmen, Er besucht die alte Dame in seiner Freizeit. Mit dem Fußballfan sitzt er zusammen vor dem Fernseher. Einem Schachspieler bildet er den Spielpartner. Er merkt, dass er gebraucht wird, kann aber nicht mehr abschalten. Als sie wieder zu der alten Dame gerufen werden und nur noch deren Tod feststellen können, droht er daran zu zerbrechen.
Ausgerechnet hier hilft ihm der Fahrer, dem weder der junge Zivi noch die Zuschauer eine menschliche Regung zugetraut hätten.

Ein berührender Film, der die Zuschauer mitreißt. Es entsteht das Gefühl, selbst im Sanitätsauto zu sitzen; selbst diesem abgestumpften Fahrer die laute, unpassende Musik abdrehen zu müssen; selbst zu verzweifeln.

366 Tage: Animationsfilm; Kurzfilm

Darsteller: Hosea Ratschiller; Peter Hörmanseder; Johannes Schiehsl
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Johannes Friedrich Schiehsl
Musik: Alexander Zlamal
Länge: 12 Minuten
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg GmbH

 

 

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Großmutter: