♫ Bayreuth 2014: Tannhäuser – Käfigfahrstuhl steckt fest

Mit der Oper Tannhäuser in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten beginnen die Bayreuther Festspiele 2014. Am Anfang ist noch alles so, wie es sein soll. Liebhaber dieser Oper hören die Ouvertüre bei offener Szene.

Das traute Heim der Venus, ein Käfig voller Primaten und überdimensionaler Spermien, saugt sich aus dem Boden, siehe ♫ Bühne und Kostüme im „Tannhäuser“ in Bayreuth: Biogasanlage und Venus im Goldkleid . Dann knallt es, mit einem fürchterlichen Krach bleibt der Käfig stecken. Ein technischer Defekt, den die Bühnentechniker nicht so schnell reparieren können. Die Vorstellung wird unterbrochen. Nach einer Stunde geht es ohne funktionierenden Käfigfahrstuhl weiter. Nicht nur mit der Hydraulik, auch mit der Beleuchtung scheint etwas nicht ganz in Ordnung zu sein. Alles in Rot eingetaucht – Himbeerlollirot. Wer eine Sonnenbrille dabei hat, ist echt im Vorteil.
Dem musikalischen Genuss tut das keinen Abbruch. Das Orchester unter der Leitung von Axel Kober klingt ebenso rund wie der Chor (Leitung Eberhard Friedrich), der am Schluss noch einen Extraapplaus bekommt. Michelle Breedt als Venus punktet ebenso als Sängerin wie als Schauspielerin. Mit Tannhäuser (Torsten Kerl) liegt sie im Clinch, muss ihn aber gehen lassen. Trotzdem kommen sie nicht voneinander los. Beide bilden ein eingespieltes Team, siehe ♫ Inhalt / Handlung: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg .

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Die Wartburg-Biogasanlage wirkt wie ein Stützpunkt einer dubiosen Sekte. Die Insassen beten den Alkoholator an, danach umarmen sie sich ausgiebig immer wieder gegenseitig. Oder sie kommen als Putzkolonne, mit Eimern und Lappen bewaffnet. Alles, was ihnen unter die Bürsten kommt, wird gewienert – auch wenn es ihre Mitmenschen sind. Elisabeth (Camilla Nylund) führt im Gehen einen esoterischen Tanz auf. Durch ihr Verhalten hinterlässt auch sie einen geistesgestörten Eindruck.
Der neue Wolfram (Markus Eiche) kümmert sich zwar um seine Elisabeth, leidet aber nicht so mit ihr wie Michael Nagy in den vorigen Jahren. Höflich hält er ihr die Tür zum Gasbehälter auf, in dem sie ihren Freitod sucht. Danach tanzt er mit ihrer Nebenbuhlerin, der Venus. In dieser Szene ist die Bühne ganz in Grün getaucht – Farbe der Hoffnung? Sein Lied an den Abendstern fällt deshalb nicht romantisch oder gar sehnsuchtsvoll aus, sondern kraftvoll aufbauend und zukunftsweisend, fast befreit. Katja Stuber könnte mit ihrer hellen Stimme hervorragend den Hirtenjungen darstellen. Statt dessen torkelt sie als betrunkener Landjunker über die Bühne.

Leider hat Sebastian Baumgarten es nicht geschafft, dem Bayreuther Publikum seine Sichtweise der Oper Tannhäuser  zu vermitteln, wie die kräftigen Buuuhs nach der Vorstellung zeigen.

Bayreuther Festspiele 2014: Tannhäuser von Richard Wagner
Musikalische Leitung – Axel Kober, Regie – Sebastian Baumgarten, Bühnenbild – Joep van Lieshout, Kostüme – Nina von Mechow, Licht – Franck Evin, Video – Christopher Kondek, Dramaturgie – Carl Hegemann, Chorleitung – Eberhard Friedrich
Besetzung 2014
Landgraf Hermann – Kwangchul Youn, Tannhäuser – Torsten Kerl, Wolfram von Eschenbach – Markus Eiche, Walther von der Vogelweide – Lothar Odinius, Biterolf – Thomas Jesatko, Heinrich der Schreiber – Stefan Heibach, Reinmar von Zweter – Rainer Zaun, Elisabeth – Camilla Nylund, Venus – Michelle Breedt, Ein junger Hirt – Katja Stuber

Tannhäuser: