♂ Der blaue Boll von Ernst Barlach – Kostüme aus dicker, cremiger, bunter Farbe

Der Name „Blauer Boll“ ist wörtlich zu nehmen. Barlach beschreibt Boll als beleibt, kurz vor dem Schlaganfall – dann nämlich läuft er blau an. Außerdem trinkt er gern. Wahrscheinlich hat er einen konstanten Alkoholpegel. In der Stuttgarter Staatstheater-Inszenierung von Stephan Rottkamp färbt Boll sich selbst ein, mit cremiger, blauer Farbe.
Eine Plastikfolie, wie eine Gartentischdecke, spannt sich über den Boden der riesigen Bühne (Robert Schweer) und bildet die Rückwand. In der Mitte stehen Eimer mit blauer, grüner, roter, weißer, schwarzer, brauner Farbe – sahnige, dicke Farbe. Sie greifen in die Kübel und malen ihre Körper an. Kostüme von Kirsten Dephoff – Farbe statt Textil. Rote Strümpfe, grüne Hosen trägt der Schweinehirt (Benjamin Grüter), der seine Frau Grete sucht. Grete (Pauline Knof), die auch Hexe genannt wird, färbt sich rot und schwarz ein – aggressiv. Jonas Fürstenau als Bürgermeister wirkt mit weißem Oberkörper und schwarzen „Hosen“ wie ein Beamter. Ocker trägt Sebastian Schwab als einfältiger Schuhmacher, dem ein Holzbein – mit einem Satansschinken dran – ausgebüxt ist.

Dieses Stück spielt auf verschiedenen Ebenen – sowohl der realen Welt als auch in Traumgebilden und der Welt der Halluzination. Beide,  Grete als auch Boll,   sind psychisch krank. Grete leidet sporadisch an Wahnvorstellungen. Sie glaubt, ihre Kinder vergiften zu müssen.
Boll (Florian von Manteuffel) sieht sich als doppelte Person – ob wegen Schizophrenie oder Alkoholismus, bleibt dem Zuschauer überlassen. Martha, Bolls Frau, und Otto betrinken sich. Grete träumt vom Teufel und dessen Frau, die sie aus seinen Teufelsklauen befreit. Insgesamt alles unwirklich. Genau so unwirklich wie die Geschichte selbst ist die Gestaltung mit Farbe – eine kreative Umsetzung. Ein Theaterabend voller Überraschungen. Die Farben lenken nicht von dem Text ab, sie unterstreichen ihn.

Für Situationskomik sorgt besonders Jonas Fürstenau mit pantomimischer Gestik.

Ute Hannig als Martha schafft es, sie ganze Zeit auf Zehenspitzen zu gehen, als hätte sie Highheels unter den Füßen. Das verleiht ihr etwas Elegantes, wie es sich für eine Gutsbesitzerin gehört. Besorgt um ihren Mann, der mehr und mehr Anzeichen von Verrücktheit zeigt, wird ihr Hals immer länger, ihre Mundwinkel ebenfalls. Die Ähnlichkeit mit einer Truthenne ist nicht zu übersehen.
Köstlich ist Ute Hannig als Martha in der Szene mit Jonas Fürstenau als betrunkenem Otto. Beide stieren vor sich hin; reden, was Betrunkene so sagen, schöpfen sich mit großen Messbechern Farbe aus den Eimern und begießen sich mit ungelenken Bewegungen von oben herab. In verschiedenen Schichten – übereinander und nebeneinander – verlaufen die Farben über ihre Körper.
Die sechs Schauspieler, die insgesamt zwölf Figuren verkörpern, schlittern durch die Farbpfützen, die sich allmählich auf dem Boden ausbreiten. Sie begreifen und bespritzen sich selbst und ihre Mitspieler mit Farbe – ein herrliches Geschmodder.
Andere Regisseure gestalten mit Licht oder Videoproduktionen. Stephan Rottkamp nimmt Farbe, eine erfrischend neue Idee, die hervorragend zu dem Blauen Boll passt. Am Anfang trägt jeder Darsteller noch einzelne, klare Farben.  Je mehr sie zusammenkommen, umso mehr mischt sich alles. Am Ende sehen alle – von Kopf bis Fuß – einheitlich bunt aus.

 

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DER BLAUE BOLL von Ernst Barlach im Stuttgarter Staatstheater
Regie Stephan Rottkamp
Bühne Robert Schweer
Kostüme Kirsten Dephoff
Dramaturgie Christoph Lepschy

Besetzung am 1. April 2011:
Gutsbesitzer Boll Florian von Manteuffel
Martha Boll / Doris Ute Hannig
Grete Grüntal Pauline Knof
Schweinehirt Grünthal / ein Herr Benjamin Grüter
Schuster Holtfreter / Wehdig / Uhrmacher Virgin Sebastian Schwab
Bürgermeister / Elias / Otto Prunkhorst Jonas Fürstenau

 

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