✍ Gartenbuch-Tipp: Gärten und Parks in Stuttgart und Umgebung

Stuttgart ist eine grüne Stadt – schon immer gewesen. Im „Grünen U“ kann man zu Fuß durch die City gehen, immer an Rasenflächen, Blumenrabatten, Teichen und großen Bäumen vorbei, manchmal sogar durch eine der alten Alleen.

Früher waren es Gärten von botanisch begeisterten Adligen, zu deren Schlössern diese Parkanlagen gehörten. Je nach Interesse des jeweiligen Regenten wurden sie vernachlässigt oder weiter ausgebaut. Botanischen Raritäten befinden sich darunter, wie etwa das beeindruckende Wäldchen mit Mammutbäumen in der Wilhelma.
Was vielleicht aussieht wie ein ganz normaler Gartenführer, ist vielmehr ein kurzweilig zu lesender Spaziergang durch die Württembergische (Garten)geschichte, zusammengetragen von der Gartenbauwissenschaftlerin Agnes Pahler und der Historikerin Dagmar Schmidt.
Dabei erfahren die Leser die Ursprünge schwäbischer Besonderheiten wie die Kehrwoche, über deren akkuraten Ablauf die Schwaben über die Ländlegrenzen hinaus beneidet werden. Die Kehrwoche geht zurück auf das Gebot des Grafen Eberhard im Bart, der 1492(!) befahl, den Mist aus der Stadt zu führen. Eine andere schwäbische Besonderheit, die Streuobstwiesen, sind vergleichsweise jung. Herzog Karl Eugen bestimmte 1745, dass jedes Ehepaar anlässlich ihrer Vermählung zwei Obstbäume zu pflanzen, zu pflegen und abzuernten habe. Nach deren Tod wurden die Bäume von der Gemeinde verpachtet. Mussten sie altershalber gefällt werden, wurden neue Bäume zwischen die alten gesetzt – wo halt Platz war. Einem unbedarften Beobachter kommen sie vor wie auf die Wiese gestreut.
Der Ausgangspunkt einer urschwäbischen Erfindung, an der bis zum heutigen Tag fleißig weiter getüftelt wird, ist ebenfalls erhalten. Im Kurpark von Bad Cannstadt steht das Gewächshaus, in dem Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach heimlich, meistens nachts, ihre Motoren entwickelten. Wer hätte gedacht, dass daraus einmal ein Weltkonzern entstehen könnte – weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus. Nicht zur griechisch-römischen Antike, sondern zu der jüngeren Vergangenheit zählen die riesigen, 15 Meter hohen Travertin-Säulen direkt neben den Gleisen. Manchem Bahnfahrer sind sie vielleicht schon aufgefallen. Sie stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. Das trifft auch haargenau zu, denn bestellt wurden sie 1939 für die geplante Reichshauptstadt Germania. Als die Säulen fertig waren, hatten die Verantwortlichen des Großdeutschen Reiches andere Sorgen. Von der Bundesgartenschau 1993 ist der original Chinesische Garten übrig geblieben. Eine Initiative tat sich zusammen, baute die Gebäude ab und errichtete den Garten an zentraler Stelle oberhalb des Hauptbahnhofs neu. Verlegt wurde das Schmuckstück einschließlich Tempel mit geschwungenen Dächern, Tor mit ausgeschnittener Lotusblume, Kieswege in Form von Yin und Yang, Kiefern, Bambus, Ginkgos und was sonst noch in einen Zen-Garten gehört.
Das Buch öffnet den Blick für die unterschiedlichen Stile der Anlagen wie die Prunkbauten im Barock, die ihr Pendant in den Gartenanlagen fanden. Im Ludwigsburger Schlossgarten gibt es noch die barocke Broderie zu bewundern, die wie ein Gobelinmuster auf den Boden „gestickt“ wird. Der Schlosspark Hohenheim ist im „Englischen Stil“ gehalten. Er sieht aus, als bestünde er aus einer natürlich gewachsenen Landschaft. Angelegt wurde er mit nordamerikanischen Gehölzen und anderen Raritäten, die heute, im eingewachsenen Zustand, absolut sehenswert sind. Die „Maurischen Gärten“ geben einen Eindruck vom Wilhelminischen Stil. Zu bewundern sind sie in der Wilhelma, mittlerweile eher bekannt als Zoo.
Auch die gegenwärtigen Gartenbesitzer kommen auf ihre Kosten. Für den Versuchsgarten Braike bei Nürtingen bietet Agnes Pahler einen regelrechten Rundgang an. Sie führt von Planzengemeinschaften wie Schattengarten oder Wassergarten über Blumen wie Stauden und Zwiebelblüher durch die Jahreszeiten bis hin zu Tierunterkünften wie Bienenhotels.
Für den schnellen Überblick bietet dieser Gartenführer zu jedem Garten folgende Kurzinformationen: Lage, Öffnungszeiten, Eintritt, Anfahrt, WC, Spielplatz, Bewirtung, Internet.

Gärten und Parks in Stuttgart und Umgebung von Agnes Pahler, Dagmar Schmidt | EUR 19,99 |  Jan Thorbecke Verlag (18. März 2014)

 

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