Ballett: Cranko / Forsythe / Kylian / Scholz
7. Februar 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Ballett, Bühnenbild und Kostüme, Choreographen, Inszenierung, Z bis AWebern/Britten/Schubert/Beethoven
Vier große Choreographen – vier große Komponisten
Vergessenes Land
Bevor die Musik einsetzt, wehen Stürme über die Bühne. Sie werden hin- und hergeweht, von einer Ecke zur anderen geschleudert, diese sechs Paare. Sie kommen von einer Seite herein, stürmen herum und verschwinden zur anderen Seite wie Wirbelwinde. Tänzerinnen in langen, fließenden Kleidern in Schwarz, Weiß, Rot und den Zwischentönen Grau, Altrosa, Rostrot (Ausstattung John MacFarlane). Drei Tänzerinnen in Schwarz-Weiß-Rot biegen sich wie Blätter im Wind um einen Ast, ihre Arme gleichen Stielen; sie wehen ineinander, teilen sich, flattern auseinander. Ganz schön pustig geht es zu in der Choreographie von Jirí Kylián zur Musik von Benjamin Britten Sinfonia da Requiem, op 20.
Opus 1
Am Anfang bilden die Tänzerinnen und Tänzer, auf dem Boden liegend, die Blütenblätter einer Blume. Im Mittelpunkt, auf den hochgestellten Beinen (wie Staubgefäße) bewegt sich eine Biene (Solotänzer). Im Takt der Musik öffnet und schließt sich die Blüte. Jeder Ton der Musik findet Gleichklang im Tanz. Weiter geht es mit strenger Symmetrie. John Cranko lässt zur Musik (Anton von Webern Passacaglia, op. 1) Spitzen zulaufen, vom Hintergrund nach vorn – ein Tänzer nach dem anderen vollendet das Dreieck. Hängen bleiben Bilder wie: Eine Phalanx von Tänzern macht die „Kerze“, die wir noch gut aus unserem Turnunterricht kennen. Gerade Rücken, die jeweils von einem Gitterwerk der Arme gestützt werden, Beine in der Luft spreizen und kreuzen – ein lebendiger Jägerzaun bewegt sich hin und her. Eng anliegende Trikots lassen aus Armen und Beinen Formen bilden wie „mit Strichen“ gezeichnet.
The vertiginous thrill of exactitude
Expressiv, grell, stark, kräftige Sprünge, zwei Tänzer, drei Tänzerinnen, die nie in Paaren auftreten, dafür in allen möglichen Formationen – so zeigt sich die Choreographie von William Forsythe zur Musik von Franz Schubert aus der Sinfonie Nr. 9 in C-Dur. Die Kostüme (Stephen Galloway) der Männer zeigen Sportler mit Boxershorts und Trikots in Rot mit Streifen – hinten ist das Trikot fleischfarben. Vielleicht sind es Schwimmer
. Ebenfalls witzig sind die Kostüme der Tänzerinnen, eng anliegende Trikots in der Farbe unreifer Zitronen. Auf den Hüften klemmt statt eines Tutus eine runde Scheibe.
Siebte Sinfonie
Uwe Scholz Choreographie zur Musik von Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 7 A-Dur, op 92 erscheint als das Klassischste unter den modernen Balletten. Großes Corps de ballet mit all den meisterlichen Sprüngen, viel Spitzentanz… Uwe Scholz gestaltet mit den klassischen Mitteln etwas Neues, Eigenes; auch die Ausstattung. Im hinteren Drittel der Bühne steht ein Fjord, dessen hohe Berge mit kräftigen Pinselstrichen in bunten Farben gemalt sind. Licht (Uwe Scholz, Dieter Billino) spielt eine große Rolle. Mal bildet hartes, weißes Licht ein Dreieck oder verschieden große Rechtecke nebeneinander. Mal tritt ein Solopaar zur Seite und tanzt in weichem, gelben Licht.
Ballettabend im Stuttgarter Opernhaus
Alle Choreographen fordern viel von den Tänzern – und die geben bereitwillig!
Zu hören und zu sehen sind vier unterschiedliche Werke symphonischer Musik mit einem hervorragenden Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von James Tuggle in Verbindung mit sehr persönlichen Choreographien. Allen ist gemeinsam: Tanz und Musik harmonieren miteinander, jeder Ton/Akkord wird in Bewegung umgesetzt, jede Choreographie ergibt ein harmonisches Ganzes.
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John Cranko: Opus 1 | Musik: Anton von Webern
Jirí Kylián: Vergessenes Land | Musik: Benjamin Britten
William Forsythe: The Vertiginous Thrill of Exactitude | Musik: Franz Schubert
Uwe Scholz: Siebte Sinfonie | Musik: Ludwig van Beethoven
Thema “Kultur und Ballett”
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Ich möchte ja nicht schon wieder meckern, denn technisch ist das Stuttgartger Ballett Spitze. gibt es bei euch aber absolut nichts Neues?
Die Welt ist voll von jungen Choreographen. Laßt doch die mal ran!
Auch über die Neuen sollte man die alten nicht vergessen, denn sie haben mit ihren Leistungen den Jungen erst den Weg geebnet.
Ich mag sowohl die neuen Ballette als auch die klassischen.
Wir können froh sein, dass es so etwas noch in Stuttgart gibt!