✍ Neues Architekturbuch 2012: Häuser des Jahres

Eine Expertenkommission wählt nach eigenen Gesichtspunkten unter 2011/2012 fertiggestellten Einfamilienhäusern die Gebäude aus, die sie für beispielhaft erachtet. Der Schwerpunkt liegt auf Häusern aus Beton.

Ein Haus wie eine Klappstulle

Von der Seite gesehen schwebt ein Haus über einem Rasen, wie abgelegt in einer Landschaft. Bodenplatte, Rückseite und das leicht angeschrägte Dach sind mit Kupfer verkleidet, die übrigen Wände bestehen aus Holz. Nach vorn und zur Seite besteht das Haus aus Glas, geschützt durch die überstehenden Boden- und Dachplatten. Die Dachplatte schützt vor Regen und starker Sonneneinstrahlung. Eine Terrasse aus Holz läuft ums Haus herum und verbindet nahtlos Draußen und Drinnen. Vom Weitem wirkt das Haus wie eine Klappstulle mit einem dicken Belag. Das Glas nutzt nicht nur dazu, die schöne Landschaft zu genießen, es hat rein praktische Gründe. Das Wohnhaus steht am Rande einer Obstpantage. Die Obstbauern blicken von jeder Stelle des Hauses auf ihr Grundstück. So wird Angenehmes mit Nützlichem verbunden – super.

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Vollkommen eingewachsen in eine Häuserzeile in Köln.

Wenn ein Haus auf einer Grundstücksfläche von 131 Quadratmetern zwischen zwei hohen Stadthäusern gebaut werden muss, vermuten Unkundige eine enge Büchse, in der sich kleine Zimmer mit einem Fenster zur Straße hin drängen. Nix da. Das Haus besitzt fast 300 Quadratmeter Gesamtfläche, verteilt über fünf Etagen. Auf jeder Etage befindet sich ein großes Zimmer, lediglich der Sanitärbereich und die Abstellräume sind abgeteilt. Zur Straßenseite springt ein durchgehender Erker mit schmalen, bodenhohen Fenstern hervor. Rechts und links rahmen ihn jeweils gleich große Fenster ein. Auf der Rückseite führen die Räume durch drei ebenerdige Glastüren auf einen Balkon – genau so symmetrisch wie die Häuser rechts und links davon, lediglich einen Tick anders. Lichtdurchflutete Räume, so wohnlich, dass die Leserin gleich einziehen würde.

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Ansonsten scheint die Bauhaus-Architektur ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Weiße Würfel, mal übereinander, mal nebeneinander, mal so weit heraushängend, dass Betrachter um die Stabilität fürchten. Nach Einfamilienhaus sehen sie nicht aus, eher nach öffentlichen Gebäuden. Es gibt sogar Häuser, deren Wände, Böden und Decken innen aus unverputztem, grauem Beton bestehen. Dazwischen ein paar weiße, graue oder schwarze Tische, Stühle oder Sofas. Wohnlich ist was anderes.

Ein Haus mit einem Spitzgiebel steht in einer Wohngegend – die gleiche Form wie die farbig verputzten Häuser rechts und links daneben. Mit dem Unterschied, dass dieses Haus – einschließlich Dach – vollkommen schwarz ist. Eine angebaute kubische Form verstärkt den ersten Eindruck – ein Sarg.

Gleich zwei Sargformen stehen nebeneinander auf einem Grundstück. Von außen das Gefühl wie graue Steinfassaden, die sich bei näherem Hinsehen als geätzte Stahlplatten entpuppen, also heiß bei Sonneneinstrahlung und eiskalt im Winter – aber wozu sollte jemand eine Fassade anfassen wollen?
Die Wände der Innenräume bestehen teilweise aus ebendiesen Stahlplatten, ansonsten schauen an Decken und Wänden rohe, graue Betonplatten auf die Bewohner. Außen stehen die Zwillingssärge auf einem Grundstück, das mit grauen Steinen ausgelegt ist. Dazwischen ein Teich, ebenso mit einem Grund aus grauen Steinen. Dazu reflektiert das Wasser noch die grauen Hauswände. Könnte dieses Ensemble bei grauem Himmel etwa eine perfekte Einladungskarte für Depressionen abgeben?

Häuser des Jahres: Die besten Einfamilienhäuser 2012 |     Callwey; (11. September 2012) |

 

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Knapp-Klatsch,

    ich habe Ihren Artikel aufmerksam gelesen und ich darf Sie beruhigen: Ja, ich war Jurymitglied und Ja, eine Beeinflussung war zu keiner Zeit Inhalt und Absicht. Weder vor noch während der ausgesprochen komplexen Bewertungsrunden. Zumal die anderen Jurymitglieder herausragende Kenner der Architekturszene sind und keinesfalls Fürsprecher einer baustofforientierten Auswahl.
    Wir selbst haben dafür den Architekturpreis Beton. Hier zeigen wir, was der Baustoff „so drauf hat“.

    Aber auch unsere anderen Engagements wie z.B. der Architekturpreis Zukunft Wohnen, der am Mittwoch in Berlin unter der Schirmherrschaft des Bauministers Ramsauer vergeben wurde, zeigen, dass wir bei derartigen Veranstaltungen die Größe haben, Qualität und Lösungsvorschläge zu prämieren – nicht den Baustoff selbst.

    Und wenn Sie einfach auch erkennen, dass der Baustoff inzwischen weit weg vom Image der 70er/80er Jahre ist und nicht mehr Waschbetonplatten im Zentrum stehen, können Sie und wir verstehen, warum von gut 300 Einsendungen zum Callwey-Preis eine große Anzahl mit unserem Baustoff raum- und maßgebend gebaut wurden. Wir erleben das aus unserer Sicht Erfreuliche auch in der Architekturkritik, die sich dieser Entwicklung in weiten Teilen positiv annimmt.

    Beste Grüße aus Erkrath
    Thomas Kaczmarek

    • Sehr geehrter Herr Kaczmarek,
      es stimmt!

      Beton mag ein Universalbaustoff sein. Wer allerdings einmal in diesem unwohnlichen Raumklima gelebt hat, genießt seitdem lieber Naturmaterial.

      Mit freundlichem Gruß
      Dorle Knapp-Klatsch

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